Paul Schad an [den Farbenhändler] Richard Wurm

 

3.3..1896 [Eingangsvermerk]



München, Blütenstr.14

 

Herrn Wurm, München

 

Möchte mir Ihre Temperafarben in Tuben No XI herstellen lassen und ersuche Sie höfl. mir diese Tabelle freundl. zurückschicken zu wollen, nachdem Sie die Güte hatten die Preise zu notieren.

 

Mit besten Dank

Hochachtungsvollst

Paul Schad

 

Die Preise der Wurmschen Temperafarben sämtlich in Tuben No XI belaufen sich:

 

                          Preis pro Tube No XI

Zinkweiß........................ 2.40

Cadmium I citron........... 12

       "      I orange......... 12

Lichtocker grünlich.........  2.40

Goldocker.....................  2.40

Dklgebr. Terra d. Siena... 2.40 

Umbra naturell................ 2.40

     "    gebrannt...............2.40

Indisch roth dunkel.......... 4.40

Eisenviolett I................... 2.40

Krapplack dkl I ............  13

Cobaltblau dunkel .........   9

Ultramarin     "      ........    4.40

Pariserblau ..................    5

Chromozydgrün hell .....    6.50

Vertemerande ................  9

Dklgrüne Erde ................  2.40

 

Münchner Stadtbibliothek - Monacensia, Sign. HW B 874 , Zugangsnummer 183/68

 

Paul Schad an [den Farbenhändler] Richard Wurm

 

05.1898 [Eingangsvermerk]

 

1 Malbrett genau nach Maas

177 1/2 cm lang + 115 1/2 cm breit

 

-----------------------------------------

 

1 Malbrett genau n. Maas

167 cm lang x 91 1/2 cm breit

 

-----------------------------------------

 

beide Bretter aus weichem Holz, wie Sie mir das letzte gemacht haben. Das Brett ziemlich stark, mit verschiebbaren Schlagleisten. Querhölzer brauchen dieses mal nicht darauf geschraubt werden. Nicht grundieren. Nicht streichen.

 

Paul Schad

Blütenstr. 14.

 

Münchner Stadtbibliothek - Monacensia, Sign. HW B 874 , Zugangsnummer 184/68

 



Paul Schad an [den Farbenhändler] Richard Wurm

 

München, d. 8. Jan. [18]90

 

Sehr geehrter Herr Wurm!

Ein Freund hat eine sehr famose Feldstaffelei, welche namentlich für größere Bilder sehr geeignet ist. Er würde mir dieselbe zur Verfügung stellen, um sie mir copieren zu lassen.

Würden Sie nicht so freundl. sein und mir die Staffelei machen lassen? Es wäre mir sehr angenehm. Wenn Sie [sie] mir machen lassen wollen, möchte ich Sie ersuchen, die Staffelei mit Hülfe der beiliegenden Karte bei meinem Freund abholen zu lassen.

 

Sobald die Staffelei hergestellt ist würden Sie dieselbe mir zu schicken, das Or[i]ginal aber meinem Freund

zurückgeben.

Adresse meines Freundes:

Herr Szymanowski, Maler

Findlingstr. 27. Rück. r.

Hochachtungsvollst

Paul Schad

Blüthenstr. 14/III

 

[Wacław Szymanowski (1859–1930) , polnischer Bildhauer und Maler]

 

Münchner Stadtbibliothek - Monacensia, Sign. HW B 874, Zugangsnummer 182/68

(Transkription: Bruno Grönke)





Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

München - Schwabing

Marktstr. 11.b.

 

5. Juli 1900

 

Hochgeehrter Herr Professor!

 

Längst bestand bei mir die Absicht, Ihnen ein Lebenszeichen zu senden, aber immer wurde dieses Vorhaben hinausgeschoben, in Folge der tollen Arbeit in der ich seither stecke. Seit ich in Graz war, hatte ich unglaublich viel zu thun, und auch für die nächsten zwei Monaten ist noch jede Minute gezählt. Vorige Woche mußte ich mein bisheriges Atelier räumen, da ich im Frühjahr dasselbe gekündigt hatte. Ich mußte noch für ein Monat ein anderes Atelier beziehen. Ich wollte nicht alle meine Bilder mit umziehen und verpakte einen Theil gleich, um ihn nach Graz zu senden. Der Transport ist bereits unterwegs, und habe ich mir, auf Mitteilung des Herrn Dr. Ubell fußend, erlaubt die Sendung nach dem Kunstverein Graz zu dirigieren. Herr Dr. Ubell theilte mir mit, daß die Sachen bis zu meiner, Ende September erfolgenden Ankunft, in Graz dort lagern könnten, und habe ich natürlich von dem Anerbieten mit größten Vergnügen Gebrauch gemacht. Es sind auch einige noch nicht vollendete Sachen dabei, ich möchte dieselben sofort nach meiner Ankunft in Angriff nehmen u. noch zu meiner November Ausstellung fertig machen. Am Schluße erlaube ich mir ein Verzeichniß der jetzt abgegangenen Sachen beizufügen. Ende Juli wird eine weitere Sendung von hier unter der gleichen Adresse abgehen. Einiges wird dann noch Ende August und Anfang Oktober folgen.

Auch von Seiten meiner Schule wird Verschiedenes dorthin gelangen, da ich einige meiner Leute veranlaßt habe, sich an meiner Ausstellung zu betheiligen. Ich freue mich unglaublich auf die Zeit, in der ich im Verein mit Ihnen mit dem Schaffen in Graz loslegen kann. Für November gedachte ich meine Ausstellung zu inszenieren. Eigenes Plakat dafür ist bereits in Arbeit. Gegenwärtig führe ich Grabdenkmal aus. -

Wie geht es Ihnen, mein lieber Herr Professor? Oft, ungezählte Oft mußte ich an Sie denken, dachte ich an Sie und ihren Kreis von Menschen, dachte ich an die so liebevolle Aufnahme, die Sie Alle mir zu theil werden ließen. Wie gesagt, ich freue mich unendlich auf ein Wiedersehen mit Ihnen und Ihren Bundesgenossen, freue mich auf eine, im Verein mit Ihnen zu beginnende That.

 

Die allerherzlichsten Grüße sendet Ihnen, mein lieber Herr Professor sowie allen Freunden

Ihr PaulSchadRossa

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv. Publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011.

 



Handschriftliche Notiz

an Carl Lacher, Direktor des Landesmuseums Graz

Graz, 4.9.1900

 

Wohlgeboren

Herrn Carl Lacher, Direktor des Landesmuseums.

Der Kunstverein beabsichtigt, in der Zeit vom 16. Septbr.

bis Mitte November d. J. eine außerordentliche Aus-

stellung des Wiener „Hagenbundes“ u. der Werke des

Malers Paul Schad-Rossa zu veranstalten, und bittet

höflichst, ihm hierfür die Ausstellungsräume zu überlassen.

Graz 4.9.1900.

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein

(Transkription: Bruno Grönke)





Steiermärkischer Kunstverein an Paul Schad-Rossa

s.d.,s.l. [Graz, September 1900]

 

Herrn Maler

Paul Schad-Rossa

derzeit

Campitello

im Fassathal, Südtirol

Poste restante

 

Sehr geehrter Herr!

Da es von Seiten des Vereines nötig ist, die Verfügungen für die Herbstausstellung ehestens zu treffen und auch Ihrerseits eine klare Einsicht in das Geschäftliche erwünscht sein muß, so scheint es dringend, die Voraussetzungen und Bedingungen zu erörtern, unter welchen die „Schadausstellung“ vom Verein veranstaltet werden kann. Der Kunstverein ist nicht Eigentümer der Ausst. Räume im Museum, sondern hat nur das Recht auf eine Weihnachts- u. eine Oster-Ausstellung, eventuell mit bes. Bewilligung des Landesausschusses noch für eine dritte Ausstellung. Eine solche Bewilligung haben wir für unsere heurige Herbstausstellung u. z. für 8 Wochen angesucht.

 

Am 16. Sept. eröffnen wir auf 4 Wochen die Ausstellung des Wiener Hagenbundes, während welcher Ihre Bilder in einem Nebensaale versperrt bleiben. Formell als zweite Abteilung unserer Herbstausstellung, im Übrigen aber ganz in sich geschlossen, könnte nach Wegräumung dieser Bilder, also etwa am 20. Okt.  Ihre Ausstellung auf 2 – 3 Wochen stattfinden. Bei Aufstellung u. Dekoration hätten Sie im Rahmen der verfügbaren Mittel freie Hand u. auch Ihr Plakatentwurf könnte zur Anzeige verwendet werden. Die Frach[t]kosten nach Graz für jene Werke, welche hier zur Ausstellung gelangen, desgleichen Feuer-Assekuranz, Installierung, Plakatierung, Zeitungsankündigung, Katalog, Aufsichtspersonale bestreitet der Verein, wofür ihm aber auch die volle Einnahme aus Eintrittsgeldern, Katalogsverkauf und die statutenmäßige 5 % Provision von allfälligen Bilderverkäufen gebührt.

Ziehen Sie jedoch eine von obigen Umständen losgelöste Sonderausstellung auf eigene Faust vor,

so müßten Sie sich unmittelbar an den Landesausschuß um Überlassung der Ausstellungsräume wenden

u. natürlich auch für alles Andere selbst aufkommen, da der Verein Ausstellungen auf Rechnung des Ausstellers nicht veranstalten kann. Mit dem höflichen Ersuchen um baldige Mittheilung Ihres Entschlusses

Hochachtend

Das Ausstellungs-Comite des

Kunstvereins

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein

(Transkription: Bruno Grönke)





[Handschriftlicher Entwurf einer Pressemitteilung]

dat. 25.10.1900

 

(Schad-Ausstellung.) Um auch Vielbeschäftigten, welche von 9 Uhr ab durch ihren Beruf gebunden sind, Gelegenheit zu geben, die Schad-Ausstellung zu besuchen, wird dieselbe von Sonntag ab schon um 8 Uhr früh geöffnet sein, wo in der Regel schon recht gutes Licht herrscht. Der Casseschluß ist um 4 Uhr. –

In Beantwortung mehrerer Anfragen, ob Herr Schad der Münchner Secession angehöre, ersucht uns der Steierm. Kunstv. mitzutheilen, daß Herr Schad seit Gründung der Secessionen überhaupt keiner Künstlervereinigung mehr angehört hat.

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein

(Transkription: Bruno Grönke)

Paul Schad-Rossa

[handschriftliche Empfangsbestätigung]

s.l., s.d. [Graz, November 1900]

 

Bestätige den Empfang von 20 fl. (zwanzig Gulden) für die Zeichnung Katalog Nr. 31. welche in den Besitz des Herrn Julius Koch, Reckbauerstr. 11 [übergegangen ist].

 

PaulSchad-Rossa

 

[der Kauf bezieht sich auf die Rohrfederzeichnung "Morgenstimmung bei Moosinning"]

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein K 23

 

Paul Schad-Rossa

[handschriftliche Empfangsbestätigung]

s.l., s.d. [Graz, November 1900]

 

20 Kronen erhalten für die Zeichnung Katalog Nr. 91. (Lüneburger Heide von Meyer)

 

Paul Schad Rossa

 

[der Kauf bezieht sich auf eine der Pastellzeichnungen "Aus der Lüneburger Heide" (Kat.nr. 87 - 94) von Hermann Meyer]

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein K 23

Hermann Ubell an Hermann Bahr

 

s.l., s.d. [Graz, Herbst 1900]

 

Verehrter und lieber Herr Bahr,

 

vielleicht sind Sie so freundlich, dem Überbringer dieser Zeilen, dem Münchner Künstler Paul Schad, ein paar Winke über Bauten im Wiener Neu–Stil zu geben, über Bauten von der Art des Secessionsgebäudes, der Stadtbahnstationen, gewisser Villen in der Umgebung Wiens, von denen ich aus Artikeln Hevesis im "Fremdenblatt" erfuhr, und dergleichen mehr. 

 

Die Meinung ist die, daß Sie Herrn Schad auf einem Plan von Wien die Stellen bezeichnen, wo er solche Sachen sehen kann. Schad ist ein großzügiger und temperamentvoller decorativer Stilist in der Art Leistikows u. L. v. Hofmanns, der im Begriff der einen Kunst lebt u. hier in Graz eine große Kunst-Werkstatt aufthun will, in der die Lehrlinge zur lebendigen Erkenntnis erzogen werden sollen, daß der Bau eines Palastes und der Bau einer Hose unter einen Begriff fallen. Da werden Schreiner- u. Schlosserlehrling, Architekt und Kunsthistoriker nebeneinander Act zeichnen und Pflanzenmotive stilisieren lernen, und Villen sollen entstehen, in denen auch der letzte Thürnagelkopf noch das Evangelium der neuen einheitlichen Kunst predigen soll. -

 

Schad wird Ihnen über alles dieses viel besser reden, als ich es könnte, wenn Sie sich für unsere Sache interessieren und überhaupt für eine solche Auseinandersetzung Zeit übrig [haben] sollten (ich sehe aus Ihren Aufsätzen im "N. [euen] W.[iener] Tgbltt. [Tageblatt]", wie sehr Sie gerade jetzt in Anspruch genommen sind). Jedenfalls aber bitten wir Sie herzlich, Herrn Schad mitzutheilen, wo jene neuen Architekturen zu finden sind. Nehmen Sie die Bitte nicht übel und seien Sie unseres Dankes versichert. Empfangen Sie auch pauschaliter meinen lebhaften Glückwunsch zu Ihrer reichen erzieherischen Thätigkeit am "Neuen W. Tgbltt.". Auch aus der Ferne gesehen, ist Ihre Direction der Wiener, ja der österreichischen Kunstangelegenheiten ein prachtvolles Schauspiel. In alter Treue und Anhänglichkeit

 

Ihr Dr. Ubell

 

Österreichisches Theatermuseum, Wien

(Transkription: Bruno Grönke)

 



Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

Graz Bürgergasse 2

[s.d., 1901]

 

Sehr verehrter Herr Professor u. mein Freund! (Sie gestatten doch diesen Ausdruck meiner größten Zuneigung!?)

Danke Ihnen herzlich für Ihren lieben Brief u. die aus demselben ersichtbaren Bemühungen. Ich werde die Angelegenheit an Wasmuth-Berlin sofort besorgen lassen. Ich werde zugleich auch einen Begleitbrief dorthin abgehen lassen u. glaube ich daß ich ihnen diese Arbeit ersparen kann.

Was die 24 Kronen anlangt, so bitte ich, sich nicht extra zu bemühen, ich denke, es wird eine Gelegenheit kommen, wo das geordnet werden kann. Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Ich nehme natürlich, den Ton ihres Briefes nach, das Beste an, und hoffe dabei nicht fehl zu gehen.

Wenn Sie irgend eine Kritik oder ein Belegexemplar unserer Recensenten erhalten, bin ich natürlich sehr dankbar, wenn Sie mir die Sache zur weiteren Ausbeute zur Verfügung stellen.

Ich hoffe, dass Sie Pfingsten gut überstanden haben, ich meines theils habe während der beiden Feiertage gearbeitet, jedesmal aber Abends nach 6 Uhr noch Ausflüge in die nahen Berge gemacht. Es ist so schön, nur das Eine: mich verstimmt eigentlich die permanente Schönheit Steiermarks. Ich weis nicht warum, aber ich kann nicht anders denken, als daß eine Verstimmung dadurch herbeigeführt wird, weil man sich im Stillen sagen muß, daß ein Leben nicht ausreicht als Künstler all' diese Schönheiten, diese Herrlichkeiten festzuhalten oder benutzt zu haben. Unsere Vernunft hätte eigentlich nur die Wahl: entweder ewig schaffen, wenn man ewig lebt; gar nichts thun und nur genießen, wenn man kurze Zeit nur lebt. Was wir thun, ruft eben nothwendigerweise einen Conflikt hervor.

 

Nun aber genug!

 

Mit herzlichsten Grüßen an Sie u. werthe Frau Gemahlin.

 

Ihr PaulSchadRossa

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011.


Steiermärkischer Kunstverein Graz, Hamerlinggasse 3, an seine Mitglieder

Graz, Februar 1901

 

An die geehrten Mitglieder des Steiermärkischen Kunstvereines!

 

Der Grazer Künstlerbund wird im Mai dieses Jahres das erste Heft einer Kunstzeitschrift unter dem Titel: "Grazer Kunst" herausgeben. Diese Zeitschrift stellt sich zum ersten Male die Aufgabe, ein vollständiges Bild von den in Graz thätigen und wirksamen künstlerischen Kräften auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Poesie und der Musik zu geben: sie wendet sich zwar an das gesammte kunstliebende Publicum Oesterreichs und das des deutschen Reiches, zunächst aber naturgemäß an die Bewohner von Graz.

Die Literatur wird auch in Nouvellen von Peter Rosegger und Emil Ertl vertreten sein, denen sich lyrische Gedichte des "jungen Graz" anschließen. Der musikalische Theil wird Compositionen von Wilhelm Kienzl, Sigmund von Hausegger und Hugo Wolf bringen. Besonders glanzvoll wird sich die bildende Kunst darstellen; mehrfarbige Lithographien von Paul Schad-Rossa, Konrad, Pauluzzi, Tauber, Zeichnungen von Schrötter und Supanchich, Radierungen von Supprian, Wiedergabe plastischer Entwürfe von Mogrobejo und Winkler - im Ganzen 14 Kunstbeilagen - und Zierleisten für jede Druckseite werden sich zu einem echt künstlerischen Gesammteindrucke vereinigen.

Sämmtliche Beiträge sind Originalarbeiten und werden hier zum ersten Male veröffentlicht.

Indem wir Ew. Hochwohlgeboren auf das Erscheinen dieses in jeder Hinsicht auf der Höhe modernen Kunstschaffens stehenden Werkes aufmerksam machen, sind wir zugleich in der angenehmen Lage, Ihnen mitzutheilen, daß der Grazer Künstlerbund sich bereitgefunden hat, den Mitgliedern des Kunstvereines einen Vorzugspreis zu gewähren. Während das Heft im Kunsthandel acht Kronen kosten wird, erhalten die Mitglieder des Kunstvereines, die im Laufe der Monate Februar und März wenigstens ein Exemplar des Heftes bei der Vereinskanzlei bestellen, dasselbe um vier Kronen, wobei ausdrücklich bemerkt wird, daß die Abnahme dieses ersten Heftes zur Uebernahme weiterer Hefte nicht verpflichtet.

Wir ersuchen Ew. Hochwohlgeboren, der Kanzlei des Kunstvereines, Hamerlinggasse 3, die beiliegende Bestellkarte für ein oder mehrere Exemplare gefälligst umgehend einzusenden.

 

Die Verwaltung des Steiermärkischen Kunstvereines:

 

W. Gurlitt, Präsident.

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

Paul Schad-Rossa an den Vorstand des Steiermärkischen Kunstvereins

Graz, Bürgergasse 2. part., 20. März 1901

 

An die sehr geehrte Vorstandschaft des Steiermärkischen Kunstverein[s] in Graz.

 

Der Unterzeichnete ersucht höflichst, die für die verehrlichen Vereinsmitglieder aufgelegte Subscriptionsliste der "Grazer Kunst" zu dem Vorzugspreis von vier statt acht Kronen, mit 1. April gütigst schließen zu wollen und mir dann freundlichst die Zahl der von verehrl. Vereinsmitgliedern bestellten Exemplare wissen lassen zu wollen.

 

Mit der vorzüglichsten Hochachtung!

 

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

PaulSchadRossa

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

Paul Schad-Rossa an den Steiermärkischen Kunstverein

Graz, Bürgergasse 2. p., 1.4.1901

 

An den sehr geschätzten Steiermärkischen Kunstverein in Graz.

 

Die Subscriptionsliste erhalten, spricht der Unterzeichnete für bisher gehabte freundl. Bemühung seinen herzlichsten Dank aus.

 

Hochachtungsvoll

 

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

PaulSchadRossa

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

An den Direktor [Schuster] des Steiermärkischen Kunstvereins

[Graz], Bürgergasse 2. parter.

[s. d., April 1901]

[Stempel des Grazer Künstlerbundes]

 

Sehr geehrter Herr Director!

 

Da die beiden, mir aus der Kanzlei des Kunst-Vereins gütigst zur Verfügung gestellten Subscriptions-Listen etwas von einander abweichen, erlaube ich mir die höfliche Anfrage, ob es Absicht oder Versehen ist, daß auf der jeweiligen Liste unter Nr. 65 Herr Dr. von Drasenovich mit 1 Exempl. (gegenüber der ersten Liste mit 3 Exempl.) gezeichnet ist, daß Nr. 76 Herr Heinrich Bank jr. und Nr. 93 Frau Gräfin Mathilde Stahenberg auf der zweiten Liste ganz fehlen. Ihrer gütigen Aufklärung dankend entgegensehend zeichnet mit aller Hochachtung ergebenst

PaulSchadRosssa

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

Graz 26.4.1901

 

Sehr verehrter Herr Professor!

 

Ihren lieben Brief erhalten, spreche vor allem meinen herzlichsten Dank aus für die neuerdings liebenswürdige Bemühung in der "Grazer Kunst"-Angelegenheit.

Was die letztere anlangt so habe ich wohl die Arbeit aus dem Kopf, sie selbst aber, werde ich wohl noch lange mit mir herumtragen müßen, umso mehr wenn meine dabei gehabten idealen Gedanken die reale Unterlage nicht finden sollten.

Was nun das Burggartenfest anlangt, diene folgendes: Nachdem ich nun so u. soviele Monate einer Allgemeinsache vollkommen gewidmet habe, noch dazu unter Umständen die mir schließlich auch Geldopfer auferlegen können, fühle ich mich moralisch gezwungen, endlich einmal auch wieder an mich selbst zu denken u. ruhig meiner Arbeit zu leben um wenigstens den letzten von mir im Programm erhobenen Punkt: Herbstausstellung mit Ehren zu lösen. Was nun die Betheiligung anderer anlangt, so wird es damit freilich schlecht aussehen, denn freilich gibt es wenige, die groß genug sein für eine Allgemeinsache uneigennütziges Opfer zu bringen. Herr von Schrötter dürfte nach meiner Meinung vor Allem berufen sein, doch weiß ich nicht was in dieser Angelegenheit von Ihm zu hoffen ist, nachdem er sich schon von der, für ihn so leichten u. mit keinerlei Kosten verbundenen Mitarbeiterschaft an der "Grazer Kunst" enthoben hat mit der bedeutsamen Motivierung, es nothwendig zu haben für auswärtige Ausstellungen zu arbeiten. Nun, Gedanken kommen von selbst und sind bei einiger Geschicklichkeit sogar zollfrei. Jedenfalls gibt es Sachen, die Einem ebenso leicht be- als entgeistern können und schließlich braucht alles seine Nahrung. An wem soll man also noch herantreten? Herr von Supanchich hat seine Aufträge in Holeneck wieder aufzunehmen u. reist dieser Tage dorthin ab. Presuhn und Pauluzzi sind an ihr Geschäft gebunden. Conrad hat genug für sich selbst zu thun u. Winkler? von ihm ist wirklich nichts zu verlangen nach dieser Seite hin.

Es mag das stellenweise sehr hart klingen, aber Sie werden begreifen, mein lieber Herr Professor, daß man anderen gegenüber, die wie es scheint nur an ihren ganz privaten Vortheil denken, etwas strenger Kritiker wird, wenn man selbst Opfer bringt, die eigentlich über das Vermögen gehen.

-Daß ich natürlich in der Angelegenheit ohne weitere Verpflichtung thue, was ich thun kann, sobald ich mich für diesen Augenblick verausgaben muß, ist selbstverständlich u. brauche ich Ihnen dieses nicht erst zu versichern.

 

Mit den herzlichsten Grüßen an Sie u. werthe Frau Gemahlin,

Ihr ergebenster

PaulSchadRossa

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 



Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

8. Mai 1901

 

Bürgergasse 2

[Stempel: GRAZER KÜNSTLER BUND]

 

Sehr verehrter Herr Professor,

 

Wollten Sie die Güte haben u. mir die genaue Zahl der von Ihnen benötigten Freiexemplare für Recension u. Repräsentation mitteilen. Würde Ihnen die gewünschte Anzahl so bald wie möglich zur Verfügung stellen.

 

Mit herzlichsten Grüßen an Sie u. werthe Frau Gemahlin,

Ihr PaulSchadRossa



Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 

 

 

Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

9.5.1901

[Stempel: GRAZER KÜNSTLER BUND]

 

Bürgergasse 2

 

Sehr verehrter Herr Professor!

 

Erlaube mir folgende Anfrage mit der höfl. Bitte, mir freundl. Ihre Meinung mitteilen zu wollen.

Die Buchdruckerei will ein Pflichtexemplar an die Statthalterei schicken ; genügt das, oder soll es unsererseits geschehen; oder sollen wir ein Exempl. an den Statthalter senden und die Druckerei eines an die Statthalterei, wäre also in diesem Falle ein Unterschied zu machen zwischen Statthalter und Statthalterei?

Dann: Sollen wir ein Exempl. an den Redakteur der Tagespost Karl von Raab gelangen lassen?

 

Sehe mit Dank Ihrer gütigen Rückäußerung entgegen und verbleibe unter herzl. Gruß

Ihr PaulSchadRossa



Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 

 

 

Paul Schad-Rossa an den Steiermärkischen Kunstverein

 

Graz, Bürgergasse 2

16.5.1901 (pr. 17.5.1901)

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

An den sehr geschätzten Steiermärkischen Kunstverein in Graz.

 

Sie erhielten von uns auf werthe Bestellung 50 Exemplare der "Grazer Kunst" zu dem Vorzugspreis à 4 Kronen sind Kronen 200

 

Welchen Betrag Sie die Güte haben wollen, uns gut zuschreiben.

Zugleich theile Ihnen höflichst mit, daß der "Grazer Künstlerbund" auf Weiteres nicht mehr in der Lage ist 4 Kronen Exemplare abzugeben, weshalb ich ersuche diesbezügliche Offerten gütigst abzulehnen oder bei besonders gelagerten Fällen die betreffenden Interessenten mit einer Beglaubigung Seitens Ihres geschätzten Vereines an meine Adresse freundl. leiten zu wollen.

Indem ich bitte von diesem gefälligst Notiz zu nehmen, zeichne mit aller Hochachtung

PaulSchadRossa

 

für Ihre geehrten Theilnehmer gewähren wir, wie abgemacht, 6 Kronen Exemplare. D.O. [Der Obmann]

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt, Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins

[Graz], Bürgergasse 2

15. Juni 1901

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

Herrn Professor Dr. Wilhelm Gurlitt, dem Präsidenten des Steiermärkischen Kunstvereins.

 

Sehr verehrter Herr Professor!

 

Ersuche höflichst um gütige, von Seiten des Kunst-Vereins als offiziell betrachtete Mitteilung:

 

1. Ob es als definitiv zu betrachten ist, daß die Eröffnung unserer Herbstausstellung für den 13. October festgesetzt ist.

2. Ob wir ab 15. Sept. in den Ausstellungsräumen mit den nothwendigen Vorarbeiten beginnen können.

3. einen wie hohen Geldbetrag der Kunstverein für Decorationszwecke bewilligt.

 

Ihre diesbezügl. gütigen Mitteilungen, welche ich Sie höfl. bitte, mir so bald, als es Ihnen möglich wird, freundl. zukommen lassen zu wollen, würde ich als gegenseitig definitiv bindend betrachten.

 

Herzlichst gegrüßt Ihr ergebenster:

PaulSchadRossa

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

Paul Schad- Rossa an Wilhelm Gurlitt

[Correspondenz-Karte]:

[s.l., s.d., Graz, 16./17. Juni 1901]

 

recto: An Herrn Professor Wilhelm Gurlitt

in Graz

Elisabethstr. 37. II.

 

verso:

Sehr verehrter Herr Professor!

Betreffs meines Briefes, ergänze ich zu Nr. 3: unter Decoration für die Ausstellung ist die

Wanddecoration (Stoffe, Holz- u. Anstreichearbeit)

Teppiche u. Möbel auszuleihen

Pflanzen zu leihen

inbegriffen, und bitte ich dieses bei Feststellung des betreff. Budgets in Betracht ziehen zu wollen.

Grüßen Ihr P. Sch. R.

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

Steiermärkischer Kunstverein an Paul Schad-Rossa

Graz, 19.6.1901

 

Snr. Hochwohlgeboren

Herrn Maler Paul Schad-Rossa in Graz.

 

In höflicher Erwiderung Ihrer geschätzten Anfrage und Ergänzungskarte vom 15. d. beehren wir uns, 

Ihnen mitzutheilen:

1. Daß für die Eröffnung der Herbstausstellung der 13. Oktober als letzter Termin anzusehen ist, daß es uns jedoch sehr erwünscht wäre, wenn die Eröffnung 8 Tage früher erfolgen würde.

2. Von Seite des Kunstvereines obwaltet kein Hinderniß, daß die Vorarbeiten in den Ausstellungsräumen am 15. September begonnen werden; es ist jedoch zu empfehlen, sich hierüber mit Herrn Direktor Lacher ins Einvernehmen zu setzen.

3. Der St. Kunstverein übergibt Ihnen einen Baarbetrag von 500 Kronen, für welchen Sie alle Auslagen bis zum Tage der Eröffnung, incl. Wanddekorationen, und das Ausleihen von Möbeln, Teppichen und Pflanzen zu tragen haben.

Weiter trägt der Kunstverein die Herfracht und den Eingangszoll für die von auswärts kommenden Kunstwerke, und auch die Rückfracht für den Fall, als die Kunstwerke an den Aufgabsort zurückgehen.

Dem Kunstverein hat jedoch bis längstens 15. September ein Verzeichniß der Künstler und Kunstwerke

zuzugehen, welche von auswärts zur Ausstellung gelangen.

Der Kunstverein trägt auch die Kosten der Feuer-Assekuranz während der Ausstellung, nicht aber die Transportversicherung. Bezüglich der ersteren ist ihm die Werthsumme der Ausstellungs-Objekte vor

deren Eintreffen in den Ausstellungsräumen bekannt zu geben.

Der Kunstverein trägt die Kosten für den Katalog, die Plakatierung mit seinen eigenen Plakaten, die Inserate, Aufsicht und Kassa während der Ausstellung, wogegen ihm alle Einnahmen für den Eintritt, Kataloge u. Garderobe zufallen. Von den verkauften Kunstwerken hat der Kunstverein eine 5 % Provision und darauf haftende Fracht und Zoll zu erhalten.

Die Kosten der Abrüstung trägt der Kunstverein. Diese Punktationen werden beiderseits als

bindend betrachtet und daher gegenseitig unterfertigt.

Mit vorzüglicher Hochachtung

[Stempel Steiermärkischer Kunstverein in Graz]

[Stempel Grazer Künstlerbund]

PaulSchadRossa

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

Transkription: Bruno Grönke und Velten Wagner





Entwurf der Satzung des Grazer Künstlerbundes von Paul Schad-Rossa

s.l., s.d. [Graz, Anfang September 1901]

 

Satzungen des Grazer Künstlerbundes.


§ 1.

Zweck des Vereines

Der Grazer Künstlerbund, dessen Sitz Graz ist, verfolgt den Zweck:

1.) die Kunst überhaupt und insbesondere die bildende Kunst zu fördern;

2.) durch Hebung des Sinnes für Kunst die Interessen der Künstler, besonders aber der Bundesmitglieder wahrzunehmen und zu vertreten;

3.) durch Veranstaltung von künstlerischen oder gefalligen Unternehmungen Beziehungen der Bundesmitglieder untereinander einerseits und des Bundes und seiner Mitglieder mit Kunstfreunden andererseits herzustellen und zu fördern. –

 

§ 2.

Mittel des Bundes.

Die Mittel des Bundes bilden die Aufnahmegebühren, die regelmäßigen Mitgliedsbeiträge, die allfälligen

Einnahmen von Unternehmungen und sonstigen Zuwendungen an den Bund.

 

§ 3.

Mitglieder des Bundes

Der Grazer Künstlerbund besteht aus ordentlichen Mitgliedern, correspondirenden Mitgliedern und Ehrenmitgliedern.-

 

§ 4.

Ordentliches Mitglied des Grazer Künstlerbundes kann jeder in Steiermark geborene oder in Steiermark schaffende Berufskünstler (Künstlerin) sein.-

 

§ 5.

Correspondirendes Mitglied kann jeder Berufskünstler sein, der hiezu [sic!] von der Hauptversammlung ernannt wird.-

 

§ 6.

Ehrenmitglieder sind diejenigen, welche von der Hauptversammlung in Folge ihrer Verdienste um die Kunst oder um den Verein zu solchen ernannt werden.

 

§ 7.

Rechte und Pflichten der Bundesmitglieder.

Jedes ordentliche Mitglied hat Sitz und Stimme in der Hauptversammlung, es hat aktives und passives Wahlrecht und kann sich an allen Bundesunternehmungen betheiligen.-

Die correspondirenden Mitglieder haben dieselben Rechte wie ordentliche Bundesmitglieder, mit Ausschluß des Wahlrechtes. Die Ehrenmitglieder sind in ihren Rechten den ordentlichen Bundesmitgliedern gleichgestellt.-

 

§ 8.

Jedes ordentliche Mitglied ist verpflichtet, den jeweilig von der Hauptversammlung zu bestimmenden Beitrag im ersten Monate jeden Jahres zu beza[h]len und sich an den künstlerischen Unternehmungen des Bundes zu betheiligen. Falls ein ordentliches Mitglied aus dem Bund auszutreten wünscht, hat es

die Anzeige dem Bundes-Ausschusse spätestens im Monate Dezember zu erstatten, widrigenfalls es noch zur Leistung des Mitgliedbeitrages für das nächste Vereinsjahr verpflichtet ist.-

Eine Rückzahlung der eingezahlten Beiträge findet überhaupt nicht statt.-

 

§ 9.

Das Bundesjahr beginnt mit jedem Kalenderjahr, das erste Bundesjahr endigt mit dem Kalenderjahre.-

 

§10.

Bildung des Bundes.

Vor Constituirung des Bundes erfolgt die Aufnahme von Mitgliedern durch den Proponenten, sohin aber durch den Ausschuß.-

Vor Bezahlung der für jedes Jahr festzusetzenden Aufnahmegebühr kann die Aufnahme in den Bund nicht erfolgen.-

 

§ 11.

Leitung des Bundes.

Die Leitung des Bundes sowie die Besorgung seiner Geschäfte obliegen der Hauptversammlung beziehw. dem Ausschusse und dessen Functionären.-

 

§ 12.

Hauptversammlung.

Jährlich findet im Monate Jänner eine Versammlung der Bundesmitglieder statt, welche mindestens 8 Tage vor ihrer Tagung unter Anzeige der Tagesordnung bekannt zu geben ist. Dieser Hauptversammlung sind folgende Geschäfte vorbehalten:

1.) Ernennung von correspondirenden Mitgliedern und von Ehrenmitgliedern;

2.) Entgegennahme des Jahresberichtes;

3.) Wahl der Ausschußmitglieder;

4.) Ertheilung des Absolutoriums für den Rechnungsabschluß;

5.) Änderung der Satzungen, Auflösung des Bundes;

6.) Bestimmung der Aufnahmegebühr für neu eintretende Mitglieder und des Jahresbeitrages;

7.) Auflösung des Bundes.-

 

§ 13.

Bundes-Ausschuß

Der Ausschuß ist das Exekutivorgan des Bundes und besorgt die laufenden Geschäfte desselben. Er besteht aus:

1.) dem Obmann.

2.) dem Obmannstellvertreter,

3.) dem Schriftführer

4.) dem Cassier und

5.) einem Mitgliede ohne Funktion.-

Der von der Hauptversammlung für die Dauer eines Jahres gewählte Ausschuß wählt seine Funktionäre selbst.-

Ausschußsitzungen sind unter gleichzeitiger Bekanntgabe der Tagesordnung spätestens 3 Tage vor ihrer Abhaltung mit der schriftlichen Einladung der Mitglieder einzuberufen.-

 

§ 14.

Wahlen, Beschlußfassung und Be-

kanntmachungen.

Die Wahlen erfolgen mittelst Stimmzettel und entscheidet hier ebenso wie bei Beschlußfassungen die absolute Mehrheit der Stimmen.-

Hauptversammlungen sind beschlußfähig, wenn dieselben ordnungsgemäß einberufen sind.-

Ausschüsse sind beschlußfähig, wenn wenigstens 3 seiner Mitglieder anwesend sind.-

Der Vorsitzende stimmt nur bei Stimmengleichheit mit; bei Wahlen darf er aber mitwählen.-

 

§ 15.

Beschlüsse werden mit absoluter Mehrheit gefaßt.

Zur Ernennung von correspondirenden Mitgliedern ist die Anwesenheit wenigstens der Hälfte der ordentlichen Bundesmitglieder erforderlich.-

Zur Ernennung von Ehrenmitgliedern ist die Anwesenheit wenigstens der Hälfte der ordentlichen Bundesmitglieder und Zweidrittel-Mehrheit der stimmberechtigten anwesenden Mitglieder erforderlich.-

Beschlüsse, welche Änderungen der Satzungen oder der Auflösung des Bundes bezwecken, können bei

Anwesenheit von Zweidrittel der ordentlichen Mitglieder und Dreiviertel Mehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder gefaßt werden.-

 

§ 16.

Bekanntmachungen erfolgen entweder durch die „Tagespost“ oder das „Tagblatt“ in Graz, oder durch Rundschreiben an die Mitglieder, oder durch Anschlag an der Bundestafel im Vereinslocale.-

 

§ 17.

Vertretung des Bundes nach

außen und Ausfertigungen.

Der Obmann, in seiner Verhinderung der Obmannstellvertreter, vertritt den Bund nach außen.-

Ausfertigungen des Bundes sind vom Obmann, im Falle seiner Verhinderung vom Obmannstellvertreter und einem Ausschußmitgliede zu unterschreiben.-

 

§ 18.

Über Sitzungen und Versammlungen sind Protokolle zu führen.-

 

§ 19.

Schiedsgericht.

Über Streitigkeiten in Bundesangelegenheiten entscheidet ein Schiedsgericht, welches seinen Sitz in Graz zu nehmen hat und sich derart zusammensetzt, daß jede der streitenden Partheien einen Schiedsrichter und diese wiederum einen Obmann wählen.

Sollten die beiden gewählten Schiedsrichter sich auf einen Obmann nicht längstens binnen 14 Tagen nach ihrer Wahl geeinigt und denselben in der gleichen Zeit ernannt haben, so ist derselbe durch das

Loos aus den von den Schiedrichtern Vorgeschlagenen zu bestimmen, worauf das Schiedsgericht binnen 3 Tagen zusammenzutreten und die Erledigung des Streitfalles sohin in möglichster Schleunigkeit im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen zu bewerkstelligen hat.-

Der Obmann des Schiedsgerichtes stimmt bei Beschlußfassungen nicht mit, doch entscheidet im Falle der Nichteinigung der beiden Schiedsrichter seine Stimme.-

Das Schiedsgericht hat sofort zusammenzutreten und im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen zu entscheiden.

 

§ 20.

Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichtes ist ein weiterer Beschwerdezug nicht mehr offen.-

 

§ 21.

Auflösung des Bundes.

Im Falle der Auflösung des Bundes gehen alle im Besitze derselben befindlichen Vermögensobjecte in das Eigenthum des steiermärkischen Kunstvereines zu seiner freien Verfügung über.-

 

Der Proponent:

PaulSchadRossa

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

Transkription: Bruno Grönke 

 

Paul Schad-Rossa an Direktor Schuster [Direktor des Steiermärkischen Kunstvereins]

5.9.1901, (pr. 6.9.1901)

St. Jacob in der Breitenau

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

Sehr geehrter Herr Director!

 

Es diene Ihnen zur Kenntniß, daß für unsere Herbstausstellung nur unsere correspondierten Mitglieder, die Herren Engelmann, Bildhauer in Berlin und Meyer, Maler in Hannover eingeladen wurden und Arbeiten senden werden. Ich ersuche daher höfl. Sendungen von dorther güt[lich] in Empfang nehmen zu wollen.

Zu erwarten wird sein:

von Herrn Meyer,

1. 1 Kiste, Inhalt Oelgemälde aus Müden in Hannover.

2. eine Kiste aus Hannover Inhalt, 3theiliger Wandschirm. und ein Oelgemälde außerdem Zeichnungen.

von Herrn Engelmann eine Kiste aus Berlin, Plastik in Gyps, Inhalt Böcklins Büste. Dann wird derselbe noch ein Postpaket senden mit zwei ganz kleinen Bronzefigürchen. (sie sind so klein, daß sie als Frachtgut nicht gesendet werden können).

Höfl. ersuchend hiervon freundl. Kenntniß zu nehmen zeichnet Hochachtungsvoll!

PaulSchadRossa

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein K 23

 

Cornelius Gurlitt an Wilhelm Gurlitt

 

s.d. [1901], ausgestellt in Dresden

  

Lieber Memo,

[...]

Nun zur Hauptsache, zur „Grazer Kunst“. In den letzten Tagen habe ich sehr viel zu tun gehabt und leider die Hauptsache nicht leisten können: Abonnenten zu sammeln. Von Dr. Seidl (Gesellschaft, München) erhielt ich einen Brief, in dem er versprach, sich lebhaft einzusetzen. Ich schreibe vielleicht unterwegs einen Artikel, da ich Darmstadt besuchen will und „Darmstadt und Graz“ ganz gute Anknüpfungen bieten.

Das Buch ist sehr „artistisch“; modern ohne Zwang; es hat etwas Herzhaftes, das wohl tut gegenüber mancher Überfeinerung. Schad hat vielleicht etwas zu viel künstlerischen Muskel; [Presuhn] erscheint feiner. Das erste Blatt von Supanchich scheint mir perspektivisch falsch: Das Meer steht nicht horizontal, sondern der Querschnitt durch das Bild sieht so aus: Die Federzeichnungen könnten meiner Ansicht nach gern etwas feiner im Strich sein (durch Verkleinerung der Reproduktionen), damit sie mit der Schrift besser zusammen gehen. Ich meine eben: die Masse des Drucksatzes soll gleich sein der Masse des Bildes, so dass beide zu einander harmonisch stehen. Oder eines soll ganz überwiegen! Das gilt freilich nicht für alle Blätter, aber z. B. für Seite 1: da ist etwas mit Schlichtheit kokettiert.

So, da hast Du das, was die Kritikerseele erleichtert; ich habe Dir das Gefühl geistiger Superiorität übermittelt, ohne das der Kritiker nun einmal nicht leben kann: das Objekt muss runter vom Postamentel, sonst befindet es sich in unkritischer Lage. Zweite Aufgabe ist nun, es beliebig hoch zu heben.

Mir scheint die Mischung sehr fein, aus der das Buch besteht. Man hat den Eindruck eines durchaus durchkünstlerten Kreises, der hier schafft. Der alte Rosegger ist wieder vortrefflich: Erttl höchst amüsant, die Lyriker zum Teil sehr fein und eigenartig. Leider bin ich nicht recht auf Lyrik gestimmt, und deshalb fehlt mir das feinere Unterscheidungsvermögen. Musik verstehe ich bekanntlich gar nicht.

Wenn ich mir alles in allem überlege, ist’s vielleicht ganz gut, wenn ich erst in drei Wochen dazu komme, etwas über die Sache zu schreiben; dann kann ich auch benutzen, was andere sagten!

[...]

Dein Cornelius.

 

TU Dresden, Nachlass Cornelius Gurlitt, Brief 032/176, www.gurlitt.tu-dresden.de

 

Wilhelm Gurlitt an Cornelius Gurlitt

 

13.5.1901, ausgestellt in Graz

 

Lieber Cornelius.

 

Du hast mich und den Künstlerbund, d. h. Paul Schad, und das gesamte kunstliebende Graz durch Deine liebenswürdigen und zahlreichen Empfehlungsschreiben zum innigsten Dank verpflichtet. Zugleich mit diesem Briefe schicke ich Dir ein Exemplar und bin neugierig, was Du dazu sagst. Ich habe zuerst, da ich nicht alles kannte und da ja bei kritischer Betrachtung immer das weniger Gelungene sich zuerst dem Auge aufdrängt, etwas Unruhe empfunden. Doch halte ich jetzt das Ganze für einen Treffer und habe meine ehrliche Freude daran. Nicht nur, wenn [...] ich es vom Grazer Gesichtspunkte betrachte, wo früher nichts war und es nun fröhlich zu sprießen beginnt in der bildenden Kunst, sondern auch überhaupt. Denn in Literatur, Musik und bildender Kunst nur solche Publikationen auf die Beine zu stellen wird nicht leicht einer anderen deutschen Stadt von 120.000 Einwohnern gelingen. Die Vorbedingungen [haben] freilich ich und Dr. Ertl und Dr. von [Drasnewicz] geschaffen: aber die Tat, nachdem der Worte genug gewechselt waren, wird Schad verdankt, der ein Mann von geradezu unheimlicher Energie und Selbstsicherheit ist. Durch Vermittlung des Kunstvereins, dessen Vorstand ich jetzt bin, haben wir hier in Graz 200 Exemplare angebracht, nun sollte noch Wien und namentlich Deutschland ordentlich kaufen. Jedoch wird immer der moralische Erfolg wichtiger sein als der pekuniäre. Die Etikette "Grazer Kunst" muss in Kunsthandel und Kunstgeschichte eingeführt werden: Sie wird sich dann hoffentlich behaupten. Schreibe irgendwohin einige Zeilen, in diesem Sinne.

[...]

 

Dein Bruder M. 

 

TU Dresden, Nachlass Cornelius Gurlitt, Brief 056/034, www.gurlitt.tu-dresden.de

 

Paul Schad-Rossa an das Präsidium des Steiermärkischen Kunstvereins

Graz, Bürgergasse 2, 3.7.1901 (pr. 5.7.1901).

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

An das sehr geehrte Präsidium des Steiermärkischen Kunstverein Graz.

 

Herzlich dankend für Ihre freundl. Zuschrift vom 19.6. betreff der Bestimmungen für unsere Herbstausstellung erlaube ich mir anschließend an dieselben nachfolgendes zu bemerken:

 

1. Es möchte unsere Ausstellung sicher vier Wochen mit 5 Samstagen (also bis 10. Nov.) geöffnet bleiben. Es möchte aber die darauf folgende 5. Woche für event. nothwendig scheinende Verlängerung (bis 17. Nov.) für uns frei gehalten werden.

 

2. Es diene zur Kenntniß, daß unsere Abrüstungsarbeiten in längstens 3 Tagen erledigt sein werden.

 

3. Wir werden für den Katalog eigene Clichés, (so vor Allem eines für den Umschlag) zur Verfügung stellen, welche aber unser Eigenthum bleiben, während der Katalog im Verlag des Steiermärkischen Kunstvereins erscheint.

 

4. Was das Herbst-Ausstellungs-Plakat anlangt, so ist es sowohl vom moralischen, als auch vom geschäftlichen Standpunkt aus, jedenfalls vortheilhaft, wenn für diese unsere erste Ausstellung ein eigenes Plakat benutzt wird. Wir werden daher die Zeichnung u. Lithographie eines solchen unentgeldlich zur Verfügung stellen, die geringen Druckkosten aber von der bewilligten Summe bestreiten, so daß dem Kunstverein keine weiteren Kosten durch unser eigenes Plakat verursacht werden.

 

Mit der Bitte, hiervon gütigst Kenntniß nehmen zu wollen, zeichnet mit der vorzüglichsten Hochachtung

PaulSchadRossa

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein K 23

 

Richard Engelmann an den Steiermärkischen Kunstverein

Berlin-Grunewald, Hubertusallee 21, 3.9.1901 (pr. 7.9.1901)

 

An den Steiermärkischen Kunstverein Landesmuseum

 

Ich schicke nach Vereinbarung mit Herrn Paul Schad-Rossa heute meine Böcklinbüste (Gipsmodell) per Frachtgut zur Herbstausstellung des Grazer Künstlerbundes an Sie ab und bitte um gefl. Bestätigung bei Eintreffen

 

Hochachtungsvoll Ihr

Richard Engelmann

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein K 23

Schreiben von Hermann Knottnerus-Meyer an den steiermärkischen Kunstverein

Müden Kreis Celle, s.d. [Anfang September 1901]

 

An d. steiermärk. Kunstverein Graz Hamerlinggaße

 

[Notiz in anderer Handschrift,

offenkundig vom Kunstverein]

11/9.1901.

Über Aviso Schad die Kisten bezogen

 

In Beantwortung Ihres Geehrten v. 3. Septbr. teile ich Ihnen mit, daß Herr Paul Schad dortselbst, mich eingeladen hat, nach dort zu schicken.

 

Ich bitte Sie höflichst, evtl zu warten, bis Herr Schad nach dort zurückgekehrt ist. Ich werde ihm selbst sofort schreiben, ob u. welcher Irrtum vorliegt. Entstehende Kosten bitte bei evtl. Rücksendung nach zu nehmen.

Mit Hochachtung

H. K-Meyer

z.Zt. Müden, Kreis Celle

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein

Transkription: Bruno Grönke

 

 



Paul Schad-Rossa

[handschriftl. Bestätigung]

s.l., s.d. [September 1901]

 

für unsere Ausstellung kam an:

3 Bilderkisten

1 Kiste mit Gypskopf

1 Postkolli

 

Es ist alles da u. habe ich außer dem nichts mehr zu erhalten.

P.Sch.R.

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein K 23



Cornelius Gurlitt an Wilhelm Gurlitt

 

s.d. [um 1901], ausgestellt in Dresden

 

Lieber Memo.

 

Anbei zunächst ein paar Briefe in Sachen „Grazer Kunst“. Ich mache mir Vorwürfe, nicht selbst mehr getan zu haben. Aber ich war in diesem Jahr ganz unfähig, noch mehr zu leisten. Mein großes Buch erdrückt mich: der erste Band mit 694 Seiten ist nun endlich fertig bis auf die [Indizes]! Der zweite Band soll womöglich in den nächsten drei Monaten fertig werden.

[...]

Dein C.

 

TU Dresden, Nachlass Cornelius Gurlitt, Brief 032/187, www.gurlitt.tu-dresden.de

 

 

Paul Schad-Rossa an Direktor Schuster, Hamerlinggasse 3 [Direktor des Steiermärkischen Kunstvereins]

d. 2.10.1901

 

Sehr geehrter Herr Director!

 

Alle Packträgerarbeit in der Ausstellung hier, muß ich selbst verrichten, Herr Schauperl, der mir von Seiten des Kunstvereins als Arbeitskraft beigesellt wurde, habe ich hier in der Ausstellung noch so viel wie nichts thun sehen. Ich ersuche höfl. mir gütigst mitteilen zu wollen, ob ich Schauperl als Arbeitskraft beanspruchen kann oder ob ich diese Kraft zu stellen habe.

 

Bitte höfl. betreffs dieses Briefbogens gütigst entschuldigen zu wollen, da mir leider nichts anderes zur Verfügung steht u. ich die Ausstellungsräume nicht verlassen kann.

 

mit der vorzüglichsten Hochachtung

Paul Schad.

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein K 23

Ruland Graf Hamag[?] an den steiermärkischen Kunstverein

Graz, 12.10.1901



An den lobl steierm. Kunstverein in Graz Hamerlinggasse 3

Graz am 12. Oktob 901

 

Zu folge der geehrten Zuschrift vom 7ten wollte ich dem Ausschuß unseres Vereines Ihren Antrag vorbringen, wurde jedoch nach vorhergehender Rücksprache, auf das Plakat der Ausstellung, welches hier so allgemein peinliche Überraschung erregt, aufmerksam gemacht, daher von einem Erfolge dieser Vorlage, wenn ich selbe auch unterbreite kaum die Rede sein kann.

 

Achtungsvollst

Ruland Graf Hamag[?]

Obmann des Vereins der

[unleserlich]

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein

(Transkription: Bruno Grönke)







Emil Ertl an den Direktor des Steierm. Kunstvereins

Graz, 13.10.1901

 

Geehrter Herr Direktor.

 

Gestern fragte Dir. Pichler nochmals bei mir an wegen Versendung der Prospekte. Ich habe mit ihm vereinbart, daß er Dienstag ans Volksblatt 4000, an die Tagespost 20000 u. ans Tagblatt 10000 liefert u.

den Rest von 2000 dem K.V. sendet. Wollen Sie freundlichst an die 3 Blätter eine Gutschrift richten, der Sie die von mir seinerzeit verfaßte Notiz beilegen, u. den Redactionen mittheilen, daß ihnen die 4000, beziehungsweise 20000 Exemplare durch die Vereinsdruckerei zugehen werden. Zugleich bitte ich das Volksblatt zu ersuchen, daß es den Prospekt Donnerstag, das Tagbl. Freitag und die Tagespost, daß es ihn Samstag dem Morgenblatt beilegt u. etwa erübrigte Exemplare dem K.V. zurückstellt. Als Vorbereitung für den Prospekt bitte ich für Dienstag od. Mittwoch (wenn keine Ausstellungsnotiz auf diesen Tag fällt) die beigeschlossene Notiz in die Blätter zu lancieren.

Hochachtend

Dr. Ertl

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein

(Transkription: Bruno Grönke)





Gründungsprotokoll des Grazer Künstlerbundes,

Graz am 13.10.1901

 

Protokoll

über die am 13. Oktober stattgefundene constituirende Versammlung des Grazer Künstlerbundes

auf Grund der mit Hohem Statthalterei Erlaß Z.32184 vom 9. September 1901 genehmigten Statuten.

Nachdem der Herr Proponent dieselben den eingeladenen Theilnehmern zur Kenntnis gebracht hat wird zur Wahl der Funktionäre geschritten.

Gewählt wurden:

Kunstmaler Paul Schad-Rossa als Obmann

Kunstmaler Konrad v. Supanchich als Schriftführer

Kunstmalerin Margarethe Supprian als Säckelwart

Professor u Bildhauer Georg Winkler als Obmann

Stellvertreter Kunstmaler Adalbert Konrad als Ausschußmitglied ohne Function.

 

Nachdem sich der Verein sohier constituirt hatte wird das Protokoll geschlossen und gefertigt.

 

Graz am [nicht ausgefüllt] Oktober 1901.

 

Der Schriftführer           Der Obmann

K. Supanchich               PaulSchadRossa

 

Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Kunstverein

(Transkription: Bruno Grönke)



 



Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

Bürgergasse 2. part.

23. Oct. 1901

[Stempel: GRAZER KÜNSTLER BUND]

 

An den Präsidenten des Steiermärkischen Kunstverein in Graz.

 

Sehr verehrter Herr Professor!

 

Der Grazer Künstler Bund erlaubt sich mit diesem folgenden Vorschlag zu machen:

Wir haben die Vorstellung, die Kunst solle nicht nur für Einzelne sondern für Alle existieren; und wie ich den Kunstverein, beziehungsweise dessen Führer kenne, ist es auch deren vorzüglichste Aufgabe die Kunst möglichst in alle Bevölkerungsschichten zu tragen. Wir erlauben uns daher, dem sehr geschätzten Kunstverein den Vorschlag zu machen, er möge die Sonntage: 27. Oct. - 3. - 10. und 17. November, wenn es nicht anders geht wenigstens immer Nachmittags dem "Verein der Arbeiterbühne" den Besuch unserer Ausstellung um höchstens 20 Heller ermöglichen. (Billiger wäre mir noch lieber und die Vormittagsstunden der Sonntage werden in Wien bereits zu solchen Zwecken benutzt.)

Der Verein würde dann an seine Mitglieder für einen der betreffenden Sonntage immer 30-40 Karten (um einer Überfüllung vorzubeugen) zu dem gedachten billigen Preise abgeben. Der nächste Sonntag sollte bereits der erste von den vieren sein und bitte ich deshalb höfl. die Sache möglichst beschleunigen zu wollen. Ich wäre Ihnen, sehr verehrter Herr Prof., sehr dankbar, wollten Sie mir eine in unserem Sinne günstige Mittheilung zukommen lassen. - Wie Sie sehen, gewöhnt sich unsereins, trotz allen materiellen Schwierigkeiten (*), das ideal sein wollen, nicht ab. So erklärt sich aber dadurch, daß es eben kein wollen, sondern ein Müssen ist.

 

Mit den herzlichsten Grüßen

für den "G. K. s."

der Obmann

Paul Schad-Rossa

 

(*) und allen Blödsinn, der uns umgiebt.

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 

 

Paul Schad-Rossa an den Ausschuß des Steiermärkischen Kunstvereins

[Graz], Bürgergasse 2. p., 18.11.1901

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

An den sehr geschätzten Ausschuß des Steiermärkischen Kunstverein Graz.

 

Verkauft wurde in der Ausstellung für 710 Kr. Die 5%ige Verkaufsprovision hieraus im Betrage von 35,50 Kronen werde ich Ihnen sobald das Geschäft abgeschlossen ist, zugleich mit der detaillierten Verkaufsliste zustellen.

 

Mit großer Hochachtung

PaulSchadRossa

als Obmann d. G. K. B. [Grazer Künstlerbundes]

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz

Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

Graz 3. Nov. 1901

 

Sehr verehrter Herr Professor!

 

Herzl. Dank für das zeitige Aufmerksam machen auf die Wiener Zeitung. Ich war ganz colossal überrascht. Nun bin ich so lange in Graz u. so unvermuthet taucht dann ein Mensch, ich möchte sagen so zu richtiger Zeit auf, mit so selbstverständlich richtigen Ansichten. - Ich erhielt bald darauf von ihm selbst einen Brief u. ein Exempl. Es wird mir ganz besonderes Vergnügen sein den Herrn kennen zu lernen. Darf ich Sie, um wieder gegenzuleisten, auf die heutige "Tagespost" aufmerksam machen. Den Höhepunkt erreicht H. N. in diesem Berichte mit den Worten:

"Der im Ortstone ganz verfehlte Antermoja-see" -

Weiters habe ich zu berichten, daß die Arbeiterführung am vergangenen Freitag ungünstig verlief. Es kamen nur 20 Leute, diese waren sehr nett u. Diez sagte Ihnen einiges. Sie theilten mit, daß die Zeit zu kurz gewesen wäre und die nothwendige Propaganda für diese Angelegenheit zu machen, auch der heutige Sonntag wäre dafür noch nicht geeignet, da die Sache erfolgreich nur mittels Circulas betrieben werden kann.

Sie ersuchten nun die Besprechung u. Führung auf Sonntag, d. 10. November zu verschieben, bis dorthin wäre alles gut vorzubereiten, sie ersuchten auch, ob man in diesem Falle nicht mehr als 50 Leute kommen dürften, ich sagte sie sollen doch Leute kommen lassen so viel sie wollen. Schließlich ließe sich das doch auch auf alle Fälle regulieren. Sie baten ferner darum, die Führung auf die Vormittagsstunde 11 Uhr zu verlegen, da diese Stunde die günstigste wäre, ich glaubte auch dieses zusagen zu können. Mit Freuden würden es, wie ich deutlich merkte, die Leute begrüßen, wenn sie selbst die Führung übernehmen wollten.

Weiters theile Ihnen mit, daß meine Schule immer moralischer wird, heute früh war ein Schlossergehülfe bei mir, der um alles Aktzeichnen will. Außerdem ein für Graz gewiss ganz neues Ereigniß: Ein Kunststudierender in Hannover hat ein Stipendium erhalten um hieher kommen u. in meine Schule eintreten zu können. Aus Deutschland ein Stipendium für Graz das ist jedenfalls alles mögliche.

Dann am Schluss eine Bitte, könnte das Plakat für das Museum nicht Fräul. Supprian machen. Einstheils könnte sie auch mal etwas verdienen, u. anderntheils kann es ja doch gerade so gut werden, als wenn ich es selbst mache, denn sie macht es ja doch unter meiner Aufsicht. - Nun Schluss mit den allerherzlichsten Grüßen,

Ihr P. Sch.-R.

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011.



Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

31. Jan. 1902

[Stempel: GRAZER KUNST - SCHULE und Werkstätten für decorative Kunst]

 

Hochverehrter Herr Professor!

 

Für die freundliche Einladung herzlichen Dank, werden derselben mit großem Vergnügen Folge leisten. Auch die 100 fl erhalten, wofür ich einstweilen auf diesem Wege meinen wärmsten Dank ausspreche. Über die 100 fl. selbst können wir ja das Nothwendige am Sonntag noch reden. Wenn das Wetter morgen Nachmittag (Samstag) von oben trocken bleibt, werde ich die Bettstatt zu Ihnen schaffen lassen! - Auf Wiedersehen!

Sie alle aufs herzlichste grüßend,

Ihr ergebenster

PaulSchadRossa

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 



Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

Bürgergasse 2

7. Febr. 1902

[Stempel: GRAZER KUNST - SCHULE und Werkstätten für decorative Kunst]

 

Hochverehrter Herr Professor!

Der "Grazer Künstler Bund" hat an die Wiener Künstler Genossenschaft die Anfrage gestellt, ob derselbe im Künstler Haus eine Collectivausstellung abhalten könne. Ich habe von dorther die Nachricht, daß der "Grazer Künstler Bund" im Künstler Haus, angegliedert an der Winterausstellung, also Novemb. u. Dezember dieses Jahres eine Collectivausstellg. in eigenen ihm zur Verfügung gestellten Räumen, arrangieren könne, einmalige Frachtfreiheit. Das ist ganz günstig u. wir werden acceptieren, und daran festhalten. - Dieses Arrangement hat natürlich mit meinen eigenen, Ihnen zu Genüge bekannten Plänen nichts zu thun. Ich werde in diese Künstler-Bund-Ausstellung in Wien eben jene Sachen schicken die ich event. von meinen Collectivausstellungen weglasse. Und selbst wenn ich nichts weglassen bräuchte, so würde ich ja bis zu diesen Ausstellungstermin so viel Neues haben als nöthig ist, zudem ich nicht die Absicht habe, bei dieser Gelegenheit sehr viel hinzuschicken. - Was nun meine eigene Wiener Angelegenheit betrifft, so habe ich mir diese dahin zurecht gelegt, daß es mir von vornherein sympathischer wäre, wenn es möglich gemacht werden könnte, daß ich bei einem Kunsthändler ankomme. Ich wäre dabei vielmehr mein eigener Herr, hätte gewiss viel mehr Chancen als wenn ich der Secession angegliedert bin. Ich erlaube mir, Ihnen diese Meinung mitzutheilen, damit, wenn Sie schon fortfahren, mir Ihre endlose Fürsorge angedeihen zu lassen wollen, und Sie passende Gelegenheit finden, Sie vielleicht in der Lage sind, die Angelegenheit gleich nach dieser Seite hin möglichst zu drehen. Nachdem der Künstler Bund jetzt Gelegenheit gefunden hat in Wien ausstellen zu können, wäre es mir doppelt lieb, zuvor dort zu sein, weil ich dann die Hoffnung hätte, gerade für den Grazer Künstler Bund, sehr viel thun zu können, was dem Grazer Kunstleben von Nutzen wäre.

 

Herzlichste Grüße auch an Ihre werthgeschätzte Frau Gemahlin.

Ihr treuer

PaulSchadRossa

 

P.S. Gienge es nicht, daß Ihre werthe Frau Gemahlin am kommenden Mittwoch Nachmittag zu mir ins Atelier gütigst käme? Wenn nicht kanns auch ein anderer tag sein...

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 





Cornelius Gurlitt an Wilhelm Gurlitt

 

5.4.1902, ausgestellt in Dresden

 

Lieber Memo!

[...]

Ich schreibe Dir sofort, um mitzuteilen, dass ich eben mich an Servaes wandte und zwar 1. um Zusendung seiner Präludien, die ich besprechen muss („Jahrbuch der n. d. Litteratur“) und 2. wegen Schad. Ich glaube, dieses Zusammentreffen wird nicht zu Schadens Schaden sein.

Herzlichen Gruß an die Deinigen

C.

 

TU Dresden, Nachlass Cornelius Gurlitt, Brief 032/151, www.gurlitt.tu-dresden.de

 

 

Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

Graz, 16.IV.1902

[Stempel: GRAZER KÜNSTLER BUND]

 

Hochverehrter Herr Professor!

 

Ihre Karte erhalten, spreche Ihnen dafür herzlichsten Dank aus. Mir ist von meinem Standpunkt aus die Wahl Ihrer Jury sehr angenehm, doch bat mich Pauluzzi Ihnen ein Bedenken mitzuteilen: nemlich ob es den Außerhalbstehenden gegenüber gut ist, dass in Ihren beiden Jurys Künstlerbündler vorhanden sind. Wie gesagt, mir selbst u. dem Künstlerbund kann es nur angenehm sein wenn es auch in der Schrötter-Jury durch ein Mitglied wie Pauluzzi vertreten ist; vielmehr ist nur vom Kunstverein zu überlegen, ob dieses auch seinen Interessen nach Außen entspricht. Ob man es zunächst nicht doch bei der einen Jury belassen sollte?

Was die neuliche Concurrenz anlangt, so werde ich mich ganz Ihrem Rathe entsprechend verhalten.

Ihrer werthgeschätzten Frau Gemahlin, so wie Ihnen selbst die herzlichsten Grüße.

 

Ihr ergebenster

PaulSchad-Rossa

 

P.S. Habe heute an Richter, Dresden geschrieben - zu erwähnen hätte ich noch, daß nach meiner Auffassung, nachdem die "Steirischen" ganz im Sinne des Kunstvereins einen Salon geöffnet haben und dort jämmerlichen Kitsch zur Ausstellung bringen bei dem gleichen Unternehmen des Kunstvereins für meine Person nun noch von einer strengen Auswahl des auszustellenden Gutes die Rede sein kann, wobei ich Gelegenheit habe mir viel unnütze Feinde zu schaffen.

 

Nochmals grüßend,

Ihr dankbarer

P.Sch.

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 


Paul Schad-Rossa an den Steiermärkischen Kunstverein

Graz, Bürgergasse 2

18.5.1902

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

An den löblichen Steiermärkischen Kunstverein Graz.

 

Erlaube mir im Auftrage des "G. K. B." die höfl. Anfrage, welche Bedingungen der Kunstverein für die Beschicker der "Ständigen Kunstvereins-Ausstellung" angenommen hat und bitten um diesbezügliche freudl. Auskunft.

 

Hochachtungsvoll

PaulSchadRossa

als Obmann d. G. K. B.

Paul Schad-Rossa an den Steiermärkischen Kunstverein

Graz, Brockmanng. 28. II., [s.d., Mai 1902]

[Stempel Grazer Künstlerbund]

 

An das Sekretariat des Steierm. Kunstvereines Graz.Melde Ihnen unserereseits unten stehende Werke für die am 7. Juni zu arrangierende Ständige Ausstellung des Kunstvereines an:

 

Presuhn 6 Aquarelle

                2 Zeichnungen

 

Konrad 4 Aquarelle

              1 Pastell

 

Prof. Winkler 2 Porträtbüsten

 

Brucks 2 Büsten

              1 Grabmalskizze

 

Supprian 2 Oelgemälde

 

Mikschowsky 2 Gemälde

 

Schad-Rossa 2 Oelgemälde

                          4 Zeichnungen

 

Hochachtend

 

PaulSchadRossa

als Obmann d. G. K. B.

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Kunstverein

 

Woldemar Seidlitz an Cornelius Gurlitt

 

4.6.1902, ausgestellt in Dresden

 

Verehrter Herr Hofrat!

Die Werke von Schad-Rossa habe ich mir angesehen und finde namentlich seine landschaftliche Auffassung äußerst wirkungsvoll wie die Durchführung der Bilder überhaupt sehr flott und sicher. Was soll aber aus solchen Künstlern werden, die sich schon - wie ich in diesem Fall annehme - so früh die Beherrschung der Mache aneignen, welche keinen Raum lässt, um die Akzente durchscheinen zu lassen, welche allein durch eindringendes Studium aus der Natur geholt werden können und von der Eigenart der Auffassung des Künstlers Zeugnis ablegen? Hier ist doch wohl schon alles ornamental geworden; Leben und Dauer erhält aber doch nur ein Werk durch das persönlich erfasste Detail, das sich dem Ganzen unterordnet. Hier sehe ich keine Reaktion gegen zu weit getriebenen, bloßen Naturalismus, sondern ein Abschwenken auf ein ganz anderes, das dekorative Gebiet.

Mit bestem Gruß

Ihr ergebener Seidlitz.

  

TU Dresden, Nachlass Cornelius Gurlitt, Brief 090/001, www.gurlitt.tu-dresden.de

 

Cornelius Gurlitt an Wilhelm Gurlitt

 

5.6.1902, ausgestellt in Dresden

 

Lieber Memo.

 

Anbei sende ich Dir Briefe von Woermann und v. Seidlitz, die ich auf die Ausstellung Schad-Rossa hetzte. Ich kann beiden nicht ganz Unrecht geben: Schad ist ein sehr geschickter Mann, der sehr geeignet ist, als Lehrer zu wirken, aber er ist doch wohl nicht ganz genug, um sich eine wirklich große Stellung zu erringen: Damit wäre er ja auch wahrscheinlich für euch verloren!

Marie war ganz begeistert von seinen Arbeiten. Zum ersten Mal kam ihr die Idee, dass sie ein Bild kaufen könne. Und ich redete ihr zu, nachdem ich vorher erfahren hatte, Schad stelle „zivile“ Striche [aus]. So haben wir dann ein Bild gekauft und zwar „In einem kühlen Grunde“, auf das Deine Mädel auch „Meinung“ gehabt haben sollen. Schad deutete uns an, er werde uns ein Pendant dazu schenken. Du machst ihm wohl gelegentlich verständlich, dass er das nicht tun solle. Denn ich bin sehr stolz darauf, kein einziges von einem Künstler geschenktes Bild zu besitzen, im Gegensatz etwa zu Ludwig Pietsch, der eine große Galerie besitzt.

Schad hat feines Stimmungsgefühl und eine sehr zarte Hand für Tönung. Namentlich an seinen Akten überrascht diese Feinheit gerade bei breitester Mache. Die Übergänge sind von seltener Weichheit.

Der Mann selbst hat namentlich Marie amüsiert. Sein halb bescheidener, halb bramarbasierender Ton, seine übertriebene Redeweise - alles ist „wahnsinnig“ schön oder dumm - das Kochen von innen heraus, und die Ungeniertheit fällt aus dem sächsischen Rahmen heraus, der sie sonst umgibt. Die zum Abendessen zugeladene [Käuzchen]-Freundin Helene Schickert war ein prachtvoller Gegensatz. Ich konnte ganz ruhig meine Bowle trinken und Zigarre dazu rauchen - das Lustspiel ging, munter gespielt, vor mir in Szene. Als dann nach Helenens - sie ist berufsmäßig Jungfrau - Fortgang noch das Thema Liebe und Keuschheit von Schad behandelt wurde, war Marie durchaus befriedigt von dem Abend.

[...]

Dein C.

 

TU Dresden, Nachlass Cornelius Gurlitt, Brief 032/187, www.gurlitt.tu-dresden.de

 

Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

s.d. [1901/02]

[Stempel: GRAZER KÜNSTLER BUND]

 

Mein lieber Herr Professor!

 

Bitte Sie, die Kosten des zu versendenden Exempl. freundl. zu notieren, wir werden nicht verfehlen Ihnen dieselben mit Dank zurück zu erstatten.

 

Mit herzl. Gruß

 

Ihr PaulSchadRossa

 

Nicht verrechnet W. Gurlitt



Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 

 

Paul Schad-Rossa an Wilhelm Gurlitt

 

s.d. [1901/02]

[Stempel: GRAZER KUNST - SCHULE und Werkstätten für decorative Kunst]

1/4 auf 11 Uhr


 

Hochverehrter Herr Professor!

 

Eben erhalte ich durch Dienstmann zugestellt, beiliegenden Zettel. - ? -

Das Wetter hätte mich mit merkwürdigem Glücke bedacht, freilich ist die günstige Beleuchtung nur von jetzt ab bis unter mittag - zu der angegebenen Zeit ist es ziemlich schlecht.

 

Die herzlichsten Grüße

Ihr ergebenster

PaulSchadRossa

 

Karl-Franzens-Universität Graz, Archiv, publiziert in: Eva Klein, Das Plakat der Moderne 2011. 



Karl Woermann an Cornelius Gurlitt

 

4.6.1903, ausgestellt in Dresden

 

Lieber Gurlitt,

 

besten Dank für Ihren freundlichen Hinweis auf die Gemälde des begabten jungen Österreichers Schad-Rossa. Ich habe sie mir mit Vergnügen angesehen. Es ist vielleicht etwas mehr „Richtung“ als Individualität in ihnen. Aber sie zeigen tüchtiges Können und feines Empfinden.

[...]

In der Hoffnung einer freundlichen Zusage mit vielen Grüßen von Haus zu Haus

der Ihre K. Woermann.

 

Lieber Memo!

Willst Du nicht an W. schreiben? Vielleicht kauft das Kupferstichkabinett?

C.

 

TU Dresden, Nachlass Cornelius Gurlitt, Brief 102/003, www.gurlitt.tu-dresden.de

 

Paul Schad-Rossa an den Steiermärkischen Kunstverein

Graz, s.d. [15./16.3.1903]

[Künstlerstempel]

 

An den Steiermärkischen Kunstverein Graz.

 

Sehr geehrter Herr Director!

 

Habe bisher Ihrer geschätzten Zuschrift vom 8. [unleserl.] entsprochen, nach welcher der Kunstverein 100 an meiner Ausstellungscasse abgegebenen Coupons zu 80 heller u. die übrigen zu 40 heller vergüten will.

Da nun meine Ausstellung eine Woche länger aufbleiben wird als Anfangs gedacht war, ersuche ich um gütige Anweisung wie viel Coupons zu 40 heller Vergütung an meiner Kasse angenommen werden können, nachdem das erste Hundert voll ist.

Ihrer Aeußerung entgegen sehend zeichnet

Hochachtungsvoll

PaulSchadRossa

 

[Notiz des Kunstvereins]

d. 16/10.3

Wir lösen alle bei Ihrer Ausstellung abgegebenen Coupons der Mitgliedskarten des Kunstvereins zu den bekannt gegebenen Preisen ein.

Georg Winkler an die k.k. Stadthalterei in Graz

Graz, 27.11.1903

 

An die k.k. Stadthalterei in Graz.

 

Unterzeichneter ersucht um gütige Kenntnisnahme folgender Mittheilung:

 

Der "Grazer Künstler-Bund" hat sich wegen Uebersiedlung der Mehrzahl seiner Mitglieder nach Deutschland, freiwillig aufgelöst.

 

Mit vorzügl. Hochachtung

der Obmann Stellvertreter:

 

Georg Winkler

Graz, 27. Nov. 1903.

 

Steiermärkisches Landesarchiv, Graz, Statthalterei

 

 

Cornelius Gurlitt an Wilhelm Gurlitt

 

12.3.1904, ausgestellt in Dresden

 

Lieber Memo.

Gestern Abend haben wir hier die Eröffnung der Ausstellung von Schad-Rossa gefeiert. Ich hatte nur einen Kollegen dazu geladen; einen, von dem ich weiß, dass er zuhören kann. Und so hat denn Schad uns etwas vorphilosophiert. Marie ging ihm scharf um den Bart, und er war sichtlich glücklich. Seine Sachen haben mich sehr interessiert. Leider war es gestern so dunkel im Raum, dass man sie nicht recht würdigen konnte.

Die meiste Freude machte mir aber die Nachricht, die Schad durch seinen Sohn erhalten hatte, dass man Deinen 60. Geburtstag in Graz ordentlich gefeiert habe. Dasselbe schreibt mir eben Mama, die mir Berichte in Aussicht stellt: Sie schreibt, sie wolle sie erst auswendig lernen, ehe sie sie abschickt.

So haben wir ungefähr gleichzeitig Feste gefeiert: Du Deinen Geburtstag, ich meinen Fackelzug!

[...]

Die Kunstdebatte hat bei mir eine Reihe Anfragen gebracht: Man bat mich von großen Zeitungen aus, zur Sache das Wort zu nehmen. Ich will das aber als Rektor nicht. Meine Ansicht ist die: den rechten Geschmack hat kein Mensch. Aber einer hat den Geschmack von gestern, einer den von heute und einer den von morgen. Für die moderne Kunst kann nur der nützen, der den Geschmack von morgen hat. Ein solcher war z. B. Friedrich der Große in seinen Bauten. Darum verstand man ihn nicht. Der Kaiser hat den Geschmack von heute. Da er noch jung ist und schon seit zehn Jahren stehen bleibt, wird er sehr bald den Geschmack von gestern haben. Da hilft es nichts, wenn dieser Geschmack auch der bessere sei. Es ist eben abgetan, und kein Kaiser der Welt kann ihn wieder lebendig machen!

[...]

Dein C.

 

TU Dresden, Nachlass Cornelius Gurlitt, Brief 032/171, www.gurlitt.tu-dresden.de

 

 

Paul Schad-Rossa an Hanna Fuess

 

15.2.1905, ausgestellt in Berlin-Steglitz

[Visitenkarte, Rücks. PAUL SCHAD-ROSSA

STEGLITZ-BERLIN

HUBERTUSSTR. 13, GARTEN,

beiliegend Foto des Ateliers,

Briefumschlag: mit Künstlerstempel]

 

Sende Ihnen, hochverehrtes Fräulein, eine Photogr[aphie] meines Werkstattbaues. Hoffend, daß es Ihnen gut gehe begrüßt Sie herzlichst Ihr PaulSchadRossa

 

Nachlass Hanna Fuess, Stadtarchiv Celle, Dank an Sabine Maehnert

 

Hermann Löns an Wilhelm Scheuermann

 

Hannover, 14.9.1907

 

Sehr geehrter Herr Scheuermann,

 

[...]

 

Eins noch: Ist Ihnen der Name Paul Schad-Rossa bekannt? Ich halte ihn für einen der größten. Man schweigt ihn in Berlin tot. Zum Teil ist er wohl selbst Schuld daran. Er ist kränklich und dadurch oft sehr ungeschickt und unpolitisch. Mich hat er als Freund auch fortgegrault. Darum bleibe ich dem Künstler doch treu. Er wohnt in Steglitz bei meinem Vetter Paul Fueß, Düntherstrasse 8. Ich glaube, er wird Sie sehr interessieren. Auch halten Sie sich, sollten Sie ihn kennen lernen, an seine Werke, nicht an seine Worte, denn die sind oft dumm und gespreizt. Das kommt von seinem Brustleiden und der daraus entspringenden Neurasthenie. Er ist einsam nur.

 

Mit schönem Gruße

Ihr ergebenster

H.Löns

 

Stadtbibliothek Hannover, Hermann Löns-Archiv, Dank an Detlef Kasten

 

Lisa Hausmann-Löns an Eugen Diederichs

 

Stettin, 3.11.1911

 

Sehr geehrter Herr Diederich,

 

[...]

 

Am vergangenen Freitag war Meyer im Atelier seines früheren Lehrers Schad-Rossa, bei dem er acht Jahre studierte u der ihn für einen im Grunde verdorbenen Menschen hält. Meyer hatte ihm sogleich befriedigt erzählt "daß Löns nun endlich seine Frau los sei". Schad war ganz entsetzt u hatte geantwortet: ["] Mensch, hast Du es jetzt endlich erreicht! Soll denn Löns als Landstreicher zu Grunde gehen?" Meyer hatte gleichmütig die Achseln gezuckt u gesagt "Wahrscheinlich! Vielleicht nimmt er sich aber auch eine dritte Frau, die eben so verdreht ist wie die beiden ersten."

Von Schad hörte ich, daß dieses ironisch-zynische Hetzen gegen meinen Einfluss schon im ersten Jahre unserer Ehe angefangen habe. Es ist jetzt der vierte Mensch, der mir das sagt.

[...]

Schad sagte mir, daß mein Mann am 26. Juni – Schad u Frau waren damals bei uns zu Besuch – ihm noch in der reizendsten Weise von mir erzählt hatte. Ich sei so fabelhaft fleissig u ich richte ihm das ganze Leben so ein, daß er nur für seine Arbeit leben könne; er wüßte nicht, was ohne mich,[sic] aus ihm geworden wäre. – So jung ist also der Hass u in den 10 Tagen gesät, in denen ich im Harz u mein Mann bei Meyer war.

[...]

Ihre Lisa H-Löns.

 

Stadtbibliothek Hannover, Hermann Löns-Archiv, Dank an Detlef Kasten, Transkription Bruno Grönke

 

 

Adressat unbekannt

 

s.d., Frasdorf

[Ausschnitt einer Postkarte]

 

Vorders.:

Während des August in Frasdorf bei Prien - Oberbayern

 

Rücks.:

Besten Dank für Ihre Zeilen u. die herzl. Grüße aus Frasdorf, wo wir nach anstrengender Reise gelandet sind.

Ihr Schad-Rossa u. Frau

 

Privatsammlung

 

 

Adressat unbekannt

 

s.d., Prien, Oberbayern

[Ausschnitt einer Postkarte]

 

Vorders.:

Prien. Oberbaiern

 

Rücks.:

herzliche Grüße von Haus zu Haus aus den bayerischen Bergen, wo wir uns eingerichtet haben. Es ist außerordentlich schön hier u. freue ich mich nach 12 Jahren! wieder einmal hier zu sein – wie geht es Ihnen? wo sind Sie? Lassen Sie hören Ihren Schad-Rossa

 

Privatsammlung