Kunstchronik. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe, Heft 30 (28. Juni 1894),

S. 477

 

Große Berliner Kunstausstellung

 

Man wird dann leicht in die Verlegenheit geraten, die Naturalisten Max Klinger, Franz Stuck und v. Habermann, die sich wie ihre Gesinnungsgenossen wenigstens in den Äußerlichkeiten an die Überlieferung und in ihren Empfindungen an den heiligen Ernst der Motive halten, als Retter in der Not zu preisen, und man wird sogar dem Münchener Paul Schad, der eine nackte Nymphe am Bache im sommerlichen Abenddunkel mit demselben Zweck, Lichteffekte auf schönen Menschenkörpern zu erglänzen und erzittern zu lassen, malt, wie den Totschlag Abels, den Namen eines poesievoll gestimmten Idealisten zuerkennen müssen.

 

 

Die Kunst für Alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, Bd. 16, 1900-1901, S. 175

 

Von Ausstellungen und Sammlungen

 

E. Graz. In der zweiten Hälfte des Oktober wurde in dem zweckmässig adaptierten großen Büchersale der ehemaligen Grazer Universitätsbibliothek die "Erste Ausstellung Steirischer Künstler" eröffnet, die der neubegründete "Verein bildender Künstler Steiermarks" veranstaltete. Obwohl die auswärtigen Steirer sich fast durchwegs ferngehalten hatten, und auch einige der besten hier Lebenden nicht vertreten waren, so fand sich doch unter der Masse des Mittelmäßigen und Dilletantischen manches Gute und Vollwertige. Insbesondere Carl O'Lynch Of Town - trotz seines irischen Namens ein Steirer - ragte mit einer Kollektiv-Ausstellung seiner Campagna-Bilder und heimischen Motive, vorwiegend aber durch seine Darstellung der bewegten See hervor. Er zeigte sich vielfach von Böcklin beeinflusst, ohne gerade zum Nachahmer zu werden. Abgesehen von ihm waren gute Landschaften merkwürdig spärlich vertreten. In wechselnder Technik brachte Alois Penz, ein gebürtiger Tiroler, der in Frohnleiten lebt, vorwiegend gutes Genre und Porträts. Auch Olga Granner zeichnete sich durch den feinen Ton ihrer lebensvollen Bildnisse aus. Sonst fielen im Figuralen noch Pamberger, Leo Diet, K. von Supanchich, und Marussig, im Landschaftlichen W. Langer und Bergmeister auf, ohne immer und überall jene sichere Beherrschung von Form und Farbe zu erreichen, die heute nicht nur gefordert wird, sondern auch mit recht gefordert werden kann. Unter den Bildhauern waren Winkler und Einspinner am besten vertreten. - gleichzeitig veranstaltete der Steiermärkische Kunstverein eine Special-Ausstellung von Werken Paul Schad-Rossa's, die nicht nur durch ihre Eindringlichkeit, sondern auch durch ein gewaltiges technisches Können einen weitaus erfreulicheren Eindruck gewährte. Farbsymphonische Probleme, paradiesische Landschaften, in denen keusche nackte Menschenkinder wandeln, beschäftigen die Phantasie des ehemaligen Defregger-Schülers. Das leichtbewegliche süddeutsche Temperament des Grazer Publikums kam dem Künstler hierin so willig entgegen, dass seine Ausstellung zu einem der unbestrittensten künstlerischen Erfolge wurde, die seit langem hier zu verzeichnen waren. Noch mehr aber gefielen seine Porträts, seine kleinen Stimmungslandschaften in Oel und seine zahlreichen schlichten Aquarelle, Mineralfarben- und Rohrfeder-Zeichnungen, die in der That eine souveräne Beherrschung des Materials bekunden. Schad hatte seine Ausstellung, in der er gegen achtzig Arbeiten seiner eigenen Hand, sowie Arbeiten seiner Schüler Hermann Meyer, Hedwig Klemm-Jäger und Margarete Supprian vorführte, ganz nach seinen Intentionen arrangiert und ihnen dadurch die edelste Wirkung abgewonnen, wobei eine Anzahl eigenartiger Rahmen, die er selbst für seine bedeutenderen Bilder entworfen hatte, zur Raumgestaltung und zum harmonsichen Eindruck des ganzen nicht unwesentlich beitrug.

 

Kunst und Kunsthandwerk. Monatszeitschrift des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 4. Jg., 1901, S. 33-35

 

[...]

Nun tritt auch Graz auf den Plan. Dass in der steirischen Hauptstadt eine kleine, rührige Gemeinde auf einem nicht leicht zu bearbeitenden Boden Verständnis, Liebe und wohl auch Voreingenommenheit für neue und  

neueste Kunst zu verbreiten strebt, wussten wir wohl; Wilhelm Gurlitt, der feurigsten Einer in der Bekämpfung eingewurzelten Kunstanschauungen, Emil Ertl und Adalbert von Drasenovich haben seit Jahr und Tag in diesem Sinne vorgearbeitet. Aber dass diese Arbeit schon Früchte gezeitigt hat, ist eine  

Überraschung, auf die man kaum gefasst war. Dichtkunst und Musik blühen in der Steiermark seit langem, der bildenden Kunst hat sie aber bisher doch nur vereinzelte Kräfte zugeführt. Nun steht eine ganze Gruppe vor uns, eine Partei, in sich geschlossen, durch gemeinsame Neigungen und Abneigungen verbunden, radical und angriffslustig. Nicht gewinnen will der Grazer Künstlerbund, was der Zufall ihm in den Schoß wirft, sondern erobern. Dazu bedarf es eines Organs, das seine Grundsätze verkündet, laut, wenn auch schrill. Vor uns liegt ein stattliches, reich illustriertes Heft, "Grazer Kunst", dem in zwangloser Folge weitere – hoffentlich viele und immer bessere – anreihen sollen. Dass darin die neue Grazer bildende Kunst die klang- und sangvollen Schwesterkünste als Mitstreiter aufbietet, ist ein glücklicher taktischer Gedanke. [...]

 

Der, den sie wohl als ihren Führer betrachten, und auch mit der Leitung des ganzen betraut haben, Georg Paul Schad-Rossa, ein Münchner, der auf die Nachrichten "über das rege Kunstleben in Graz aus freien Stücken und auf eigene Gefahr dahin übersiedelte", nimmt uns freilich nicht sofort für das Unternehmen ein, man wird mehr von ihm sehen müssen. Talent hat er, aber leider auch – Manier, und dass er wirklich so empfindet, wie er sich gibt, "aus eigenem Recht schaffend", möchte man bezweifeln. Die dreifarbige Lithographie "Die Blume im Thau" und die zweifarbige Umschlagzeichnung "Grazer Kunst" ist wohl kaum die Grazer Kunst, die die anderen meinen. Dass ein Kunstwerk Schönheiten haben kann ohne "schön" zu sein, ist eine heute vielen geläufige Ansicht von gewisser innerer und übrigens längst erkannter Richtigkeit, aber zu der Auffassung, dass ein Kunstwerk unter allen Umständen hässlich sein müsse, um Schönheit zu haben, sind die meisten von uns doch noch nicht durchgedrungen. Auch Schad-Rossas Weihnachtsmotiv ist gelinde gesagt, ein Irrtum, und nur seinem Heimatmotiv möchte man zugestehen, dass es in der Zeit wurzelt und lebt. [...] Ist auch nicht alles an dieser Grazer Kunst zu loben, wir zweifeln nicht, dass sie bei fortschreitender Klärung und strenger Selbstkritik, die ihr hochverdienter geistiger Urheber Gurlitt stets zu vermitteln wissen wird, sich selbst und allen Freunden frischer, lebendiger Kunst in Zukunft noch reinere und edlere Freuden bereiten kann.

 

Leisching, Eduard

 

 

Kunstchronik. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe, Heft 22 (18. April 1901),

S. 350

 

Graz. Hier sind zur Gründung eines "Grazer Künstlerbundes" auf Anregung des Malers Schad-Rossa verschiedene hier lebende Künstler zusammengetreten. Von Ostern ab beabsichtigt die neue Vereinigung unter dem Titel "Grazer Kunst" eine nach rein künstlerischen Grundsätzen geleitete Zeitschrift herauszugeben, deren künstlerischen Teil Herr Schad-Rossa, deren 

litterarischen Teil Herr Dr. Ubell redigieren wird.

 

 

Jahres-Bericht des Steiermärkischen Kunstvereins für das 36. Vereinsjahr vom 1. Juli 1900 bis 30. Juni 1901, Graz 1901. Steiermärkisches Landesarchiv, Karton K 1

 

S.5: Darauf stellte der Ausschuß seine Räume Herrn Schad, der aus eigenem Antrieb die Stätte seiner künstlerischen Thätigkeit von München nach Graz verlegt hatte, zur Verfügung zu einer Special-Ausstellung.

 

Namens-Verzeichnis der wirklichen Mitglieder des steiermärkischen Kunstvereines, S.18: Schad-Rossa, Paul, Prof., akad. Maler.

 

Ziehungs-Liste des Steiermärkischen Kunstvereins in Graz über die am 29. Juni 1902 verloosten Gewinnste. Steiermärkisches Landesarchiv, Kunstverein Karton 4

 

Post.-Nr. 1: Wandteppich, von Betti Schad. (Herr Otto Müller, Fabriksbesitzer in Ebersdorf)

Post.-Nr. 7: St. Erhard in der Breitenau, Farbige Zeichnung von Paul Schad-Rossa (Herr Joh. Tschebull, k.k. Notar in Villach)

Post.-Nr. 8: Weiter Weg, Oelgemälde von Paul Schad-Rossa. (Herr Ernst Tölg, Stadtbaumeister in Wien)

 

 

Illustrirte Zeitung. Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York. 119, Nr.3081, (17. Juli 1902), S. 101

 

 

 

 

Belauscht. Gemälde von Paul Schad.

 

Jene um viele Jahrtausende zurückliegende Zeit, in der das Menschengeschlecht völlig hüllenlos die grüne Welt durchschweifte, muß neben all ihrer Barbarei doch auch viel Schönes gehabt haben, weil sie uns von Dichtern und Künstlern immer wieder vor Augen gerückt wird. Ein Zeitalter ohne Kleider und ohne Häuser, ohne politische und gesellschaftliche Fragen, ohne Kultur und Mode, ohne Sparsamkeit und Gesetz, aber dafür taufrisch und morgenfroh und überreich an unverstandenen rätselhaften Hoffnungen! Ein Zeitalter kindlichen, jauchzenden Erfassens der Welt durch die Menschheit! Wenn uns dieses Zeitalter heute wieder in das  Steinkohlenstaub getrübte und grellen elektrischen Lichtern durchzuckte Sehfeld gebracht wird, meinen mir wohl, die Menschen, die wir da sehen, seien keine Sterblichen, sondern Halbgötter, die manchmal freilich auch halb tierische Züge zeigen. Halbtiere sind sie, weil sie nichts wissen und sich keine Rechenschaft geben von den hohen Zielen der Vergeistigung und Veredelung, die das Menschengeschlecht nach ihnen im Laufe der Jahrtausende gelernt hat; aber Halbgötter sind sie, weil unbändige Kraft und ungetrübte Gesundheit durch ihre Körper pulsiert, weil sie unbewusst sich fühlen, als die Stammeltern ungezählter aufwärtsstrebender Geschlechter. Ein Ereignis aus dem paradiesischen Leben solcher mythischer Wesen ist es, das uns der Münchener Maler Paul Schad in seinem Bilde "Belauscht" vorführt. Eine reizvolle Frauengestalt, unsterbliche Nymphe oder irdisches Mädchen, schwingt sich von grasigen Ufern in einen kühlen Waldweiher, belauscht von einem wilden hässlichen Kerl, der im Vordergrund auf einem Felsstück liegt und uns gleichfalls im Zweifel läßt, ob wir einen rohen Urmenschen oder einen mythischen Waldgott in ihm sehen sollen. So einfach und begreiflich der Vorgang ist, hat ihm der Künstler hier doch etwas ganz Neuartiges anzuheften gewusst durch die absonderliche Maltechnik, mit der er einem Ölbild etwas Reliefhaftes verlieh, und durch die zwei schmalen Nebenbilder, die er dem Hauptbild beigab, um seinem deutlichen Inhalt einen rätselhaften, symbolischen Beigeschmack zu verleihen. Paul Schad ist einer der jüngeren Figurenmaler Münchens, der neben eigener schöpferischer Tätigkeit in den letzten Jahren auch eine Privatmalschule unterhielt. 

H.

 

Die Kunst für Alle..., Band 17, 1902, S.208 

 

Von Ausstellungen und Sammlungen

 

Ausstellung des Grazer Künstlerbundes, 1901

 

Die Plastiken Georg Winkler's, die Porträts von Supanchich, die Landschaften Konrad's, die Künstlerlithographien Presuhn's, endlich die zahlreichen Bilder, Entwürfe, Zeichnungen, Rahmen und Gewebe Schad-Rossa's, der auch die originelle Installation geleitet hatte, waren nicht durchwegs vollendete Kunstwerke, aber durchwegs Aeusserungen ernst und ehrlich strebender künstlerischer Individualitäten. 

 

Ziehungs-Liste des Steiermärkischen Kunstvereins in Graz über die am 29. Juni 1903 verlosten Gewinnste. Steiermärkisches Landesarchiv, Kunstverein Karton 4



Post.-Nr. 7: Aus dem Achental, farbige Zeichnung von Paul Schad-Rossa. (Herr Karl Reich, erzherzoglicher Baurat in Föherczeglak)

 

Aus: Schad-Rossa - Ausstellung im Sächsischen Kunstverein, Katalog, [s.d., s.l.] (1904), gedruckt in Graz.

 

Text wieder abgedruckt in: Hermann Löns. Gedanken und Gestalten (Hrsg. Wilhelm Deimann), Hannover 1924 

 

Bei Paul Schad

 

Fast ein Jahr ist es her, dass Paul Schad bei uns in Hannover eine Anzahl seiner Werke 

ausstellte. Ich weiß es noch ganz genau, wie schrecklich unglücklich ich mich fühlte, als 

ich zum Kunstsalon ging. Ich hatte so viel von Schad gehört, einer seiner Schüler, der Maler 

Hermann Knottnerus-Meyer, ist mir ein sehr lieber Freund. Oft sprach er mit mir über den Maler Schad, noch mehr über den Mann; so manchen Brief Schads, der von Graz nach  

Hannover kam, hatte ich gelesen, und ich hatte Achtung vor dem Manne, der sein künstlerisches Programm in das Wort fasste: "Kunst ist der Gegensatz zur Natur".

 

Und nun sollte ich ihn kennen lernen in seinen Werken. Eine zitternde Angst faßte mich, die Angst, eine Enttäuschung zu erleben, die Furcht schüttelte mich, etwas Großes, Schönes, Gutes zu verlieren.

Mit gepreßtem Herzen stieg ich die Treppe hinauf. Schüchtern, als sähe mir jeder mein Bangen an, wand ich mich durch die Gruppen der Besucher, und als ich über die Schwelle des Raumes trat, der die Schads enthielt, fühlte ich ein Würgen am Halse...

Alle meine Angst, alle meine Furcht schwand, als ich vor den Bildern stand. Das war der Schad, von dem mein Freund mir erzählt hatte, der stille Künstler, der mit zitterndem Herzen der Natur nachgeht auf ihren Wegen, um ihr ihre Schaffensgeheimnisse abzulauschen, der starke Mann, der den Willen und das können hat, in seinen Werken eine eigene Welt zum Leben zu bringen, eine Welt, ganz anders wie die lebendige Welt, aber ebenso wahr wie diese, ebenso lebendig.

Ich vergaß, daß ich Menschenwerk vor mir hatte. Mir war bei jedem Bilde, als stände ich vor einem Etwas, das nicht geschaffen war von der Hand eines vergänglichen Menschen, nein, das geworden war, wie die Bäume im Wald, die Felsen im Gebirge, die Wellen im Meer, die Wolken am Himmel, geworden und gewachsen, wie die Blumen und die Menschen.

Weil ich im Banne einer Schad-Überlieferung war durch meines Freundes Erzählungen, wollte ich kühl sein und kritisch. Ich konnte es nicht. Ich kann keinen Baum im Walde, keine lebendige Landschaft, keinen Menschenleib kritisch auffassen. Die sind so, wie sie sein müssen. Tatsachen sind sie, denen man sich fügen muß, Wirklichkeiten, die außerhalb der Kritik stehen, die man unabänderlich hinnimmt.

So nahm ich Schads Werke hin, dankbar und bescheiden, wie die Werke der Natur.

Es wird viele geben, die das nicht können. Ich verstehe es, daß sie Schad nicht verstehen. Einer, ein kluger Mann, meinte zu mir, Schad sage ihm nicht genug.

Das ist einer von den Leuten, die vom Maler verlangen, daß sie seine Werke mit dem Verstande begreifen sollen. Gedanken wollen sie von ihm, Ideen, Novellen.

Aber kein Maler kann die geben. Er hat nur Farben, und nur mit Farben darf er wirken. Farben aber treffen nicht den Verstand, Ffarben treffen nur das Gefühl. Und wem das fehlt, der wird Schad nie fassen.

Braucht Ihr Euren Verstand, wenn Ihr draußen seid im grünen Wald? Ist es Euere Verstand, der Eure Augen leuchten läßt, wenn das Sonnenlicht in zitternden Wellen durch die Wipfel fließt? Ist es Euer Kopf, den das Branden und Brausen der Farben eines Sonnenunterganges bewegt, oder ist es nicht einzig und allein Euer Herz, das vor den Schatten der Dämmerung im Bergtale erschauert?

So, wie das Sonnenlicht im grünen Walde, wie Abendrot am weiten Himmelsrand, wie Dämmerung im tiefen Tal, so redet Schad zu mir. In seinen Werken ist Sonne und Leben, Nacht und Tod, es klingt darin wie Waldvögellieder und braust daraus wie Hochgebirgssturm. --------

In meinem Garten pfeift der Herbstwind. Der Regen rauscht, gelbe Blätter fliegen, die Luft ist grau, und kalt kommt es durch das Fenster.

Ich denke an den Garten Eden von Schad. Ich sehe den Bbaum, unter dem die beiden jungen Menschen sitzen und hineinträumen in die lachende Sonnenlandschaft vor ihnen.

Ein Jahr ist es her, daß ich das Bild sah, aber heute ist es noch so lebendig in meiner Erinnerung und schenkt mir Blumen, Sonne und Frühlingsgrün an diesem Herbsttage, der so naß ist und so kalt und so grau und so voll von Tod und Verwesung, und der mir viele schwarze Gedanken eingab, bis ich an Schad dachte.

Da flogen sie fort.

 

Hannover, im Oktober 1903.

 

Hermann Löns  

 

Die Kunst für Alle..., Band 19, 1904, S.270-271

 

Nach der üblichen Sommerpause begann die Saison mit einer Ausstellung des "Grazer 

Künstlerbundes"; es galt den Abschied seines Gründers und Obmanns, des vor drei Jahren 

aus München zugewanderten Paul Schad-Rossa [zu nehmen] . Seine fünfundfünfzig Bilder brachten größtenteils Darstellungen nackter Menschen in idealer Landschaft von starker, naturreligiöser Inbrunst, entschiedenem dekorativen Willen und teilweise virtuoser Durchführung. Wie immer man seine Leistungen beurteilen mag, sein rastloses und eigenwilliges Schaffen hat in diesen drei Jahren auf Anhänger und Gegner anspornend gewirkt und das Museum tat vom lokalgeschichtlichen Standpunkt unrecht, diese Epoche nicht durch den Ankauf einesBildes festzuhalten.

[...]

Mit Schads Abreise nach Nürnberg und Berlin, wo er Sonderausstellungen veranstaltet, zerfiel der "Grazer Künstlerbund" ...

 

Die Kunst für Alle..., Band 19, 1904, S.431 

 

Ausstellung Ed. Schultes Kunstsalon, Berlin

 

Eine wenig erfreuliche Bekanntschaft macht man in dieser Ausstellug an Paul Schad-Rossa, der im Anschluß an Stuck und Ludwig von Hofmann in fahlen, kraftlosen Farben schlecht gezeichnete symbolistische Bilder mit pompösen Unterschriften, wie "Dem freien Menschentum", Die Berge der Sehnsucht, Mysterium der Liebe" produziert, deren künstlerischer Unwert nur von sehr anspruchslosen Leuten bezweifelt werden kann. 

 

Hans Rosenhagen


Illustrirte Zeitung, 26.05.1904

 

In der neuesten Ausstellung des Ed. Schulteschen Salons in Berlin steht der Pariser Louis Legrand mit einer Reihe von 138 Arbeiten [...] im Vordergrund des Interesses [...]

Eine Kollektion von Bildern des verstorbenen Trouillebert, in denen die malerische Poesie von Camille Corot mehr oder weniger süßlich verwässert erscheint, und eine andere von Paul Schad-Rossa, der durch L.v.Hofmann und gelegentlich auch durch Stuck und noch andere Meister beeinflußt erscheint, ohne mit ihnen in Auffassung und Malerei wetteifern zu können, hat neben den Werken Legrands einen ziemlich schweren Stand [...]

 

Helene Zillmann, Maler Schad-Rossa, der Interpret der Psyche!*

*zur Paul-Schad-Ausstellung im Kunstsalon von Schulte, Berlin.

In: Neue metaphysische Rundschau: Monatszeitschrift für philosophische, okkulte und psychologische Forschungen in Wissenschaft, Kunst und Religion, 1904

 

"Mensch, du kleiner! Da ertappst du dich nun wieder bei dem engherzigen Unterfangen mit dem hergebrachten Massstab äusseren Könnens an das Erhabene, Unmessbare heranzutreten. So wirst du also bleiben, so lange diese deine Füsse irdischen Boden treten, so lange deine Augen noch nach aussen schauen. Ehe du über die Schwelle trittst, fragst du: "Wie gross wird sein Können sein?" - So also bist du!"

 

Denselben Raum habe ich so oft mit den mannigfaltigsten Gefühlen betreten, dieselben Wände, die mich nun umgeben, haben so Weltweitunterschiedenes mir schon gesagt, nie aber war dort meine Verzagtheit so stark, nie meine Klarheit so gross, wie vor den Werken Schad's.-

Sagte ich es nicht - das Erste- die Frage nach dem Können! - Ein einziger Blick ringsum noch von der Schwelle aus, ehe man dem Gehalt einer einzelnen Schöpfung nahetritt, sagt uns, dass wir es mit der souveränsten Meisterung der Materie zu tun haben. Man hat vom "Experiment" von "Ungleichem Wert" der Technik gesprochen, das war "klein". Sieht man denn nicht, dass das, was er uns zu sagen hat, getönt durch seine starke Eigenheit, eben so und nicht anders gesagt werden kann?

O! schon sind wir mit ihm hinter die Hülle äusserer Kundgebung getreten, ganz im Bannkreis seines Wesens, das hinausschwingt in das Unbegrenzte. Dort lebt die Sehnsucht nach dem Wissen der kommenden Phasen des Seins, die uns allen - sofern wir nicht zu den völlig Unerwachten gehören - vor dem geistigen Auge schweben; erst vag und mattumrissen, bis wir den Focus erkennen, um den sich bestimmt und bestimmter das Kommende kristallisiert. So schauen wir seine Berge der Sehnsucht; - demütig und voll Erwarten. Excelsior! ruft es uns entgegen! Höher, immer höher, durch das Unbekannte der Vollendung zu! So leben wir mit ihm in der "Wonne", die sich in der Manifestation heisser, glutvoller Reife darstellt, alles von Sonne und Licht getragen, durchsättigt; darüber aber zittert ein rosiger Ton, der leise aus der Welt der Sinne in geistige Regionen überklingt. Abgeklärtheit! Grosse stille Freude! Die Wonne, die unseren Aetherleib umbadet, wenn er sich emporschwingt in sein wesensverwandtes Element! Als klingender Akkord steht sein Menschenpaar vor uns! Mann, Weib, das schöpferische Prinzip, die Dominante! Unsichtbar umschlossen von dem Ovum, in dem sich Geben und Nehmen, Erschöpfen und Erfüllen vollzieht!

Dort tönt uns Dantes "Lasciate ogni speranza" in seinen "Verfluchten" entgegen. Das sind sie, die Momente grenzenloser Verzweiflung, die uns packen, wenn wir immer wieder straucheln, und fallen auf dem schmalen Pfad, der zur Erkenntnis führt. O, diese Stunden, wo wir mutlos üben möchten. Nicht an dem armseligen Häuflein Ton! Nein, erlöschen und ausradieren möchten wir unser kleines, getrenntes Sein aus dem harmonischen Bauplan des Alls! O Ohnmacht! Es gibt keine Vernichtung, weder hier noch "drüben", nur ewigen Wechsel, ewige Wandlung! Es gibt kein Getrenntsein!

Er führt uns durch "Einsamkeiten", die Klingen und Tönen sind zu der "ewigen heiligen" Stille, zu Stätten, wo wir Laotse's "Wu Wei", die Tätigkeit in der absoluten Ruhe, das unaufhaltsame Schwingen in der festgebannten Form erkennen lernen. Dieses in jeder Form lebende, jede Form umkreisende rhythmische Schwingen haben wir auch nur in einer anderen Tonart, in einem anderen Tempo ausgesprochen in seinem "Reigen". Diese Parallele mag manchem wohl paradox erscheinen. Doch, wenn wir erkennen, dass alles Sein, alle Ruhe, alle Bewegung aus der einen Ur-Einheit strömt, so bleibt im Grunde das "Eine" auch in der Differenziation. Freude und Schmerz - Licht und Schatten - Gutes und Böses stellen sich uns nur als unterschiedliche Schwingungsgrade dar, ebenso wie Ruhe und Bewegung. - Dieselbe Empfindung des alles durchdringenden Rhythmus haben wir auch in seinem "Am Bachesrand". Wie die Gestalten den Abhang hinabeilen, leicht, geschmeidig, von einem inneren Impuls getrieben, das ist die leicht fliessende, wellende Bewegung des Baches. - Eine Feierstunde verleben wir mit Schad-Rossa vor seinem "Schönen Tag". In kristallheller Ruhe und Klarheit tritt er uns aus dem massiven Gefüge des Rahmens entgegen; seine Zartheit durch den Kontrast der Umschliessung noch gehoben. Auch hier wieder Ruhe und Bewegung! Rhythmus! Man nimmt die Wärme und den Duft in sich auf wie lebendigen Atem. Man fühlt das Sinnen und das Jubilieren in der Luft, während das Auge träumend bei dem innigblauen Enzian am Bergesabhang verweilt.

"Freies Menschentum" - das ist sein Menschentum! Mensch-sein unter den Grossen und den Kleinen - in getreuer Erfassung seiner Mission - in willigem und bewusstem Beugen unter das höchste Gesetz; denn es gibt keine Freiheit ohne die Erfüllung des Gesetzes. Nur im Erkennen des Getragen-seins liegt unsere Freiheit!

So leben wir mit dem Künstler das ewige Auf und Nieder, in uns wogt das Pulsen des All-Lebens! So treten wir im feierlichen Rhythmus der "Todessymphonie" im Schatten schwerer Fittiche vor das verschlossene Tor, das vor uns noch neue Lebensmysterien birgt; weihevoll, mystisch setzt das Erlösungsmotiv ein, anschwellend, alles mit sich fortreissend wächst es an zum sieghaften Sanctus. Gross, hehr vom Licht der Ewigkeit umflossen steht die Seele in der "Erlösung" auf einsamem Felsen; unter sich Abgrund, Kampf, Ueberwindung. Alles ist durcheilt, durchkostet, alles gelebt und erfahren. Und leise verklingt das Benedictus, in dem ewig tönenden "Und ihr werdet sein wie Gott!"

 

Nachschrift: Eine Schad-Rossa-Ausstellung findet im Okt. in Frankfurt  a.M., im Nov. in Wiesbaden statt. Wir machen unsere Freunde auf diese Veranstaltungen aufmerksam! Schad's Atelier befindet sich in Steglitz bei Berlin. 

 

 

 

The studio. An illustrated magazine of fine and applied art. Band 36, London 1906, S.83-84

 

Amongst the important works exhibited at Keller the artist Paul Schad-Rossa, who three or four years ago exhibited in Berlin, Dresden, Hamburg, and other towns, and obtained for his art many admirers, is so far not so well known as he deserves to be. The picture here reproduced affords us but a limited insight into the wide region of his imagination. A peaceful mountain valley in the green Steiermark, the sunny Alpine meadows, and the deep limpid lakes among the dolomites of Southern Tyrol have been, during the last few years, the scenes of Schad-Rossa’s creations in art. There, withdrawn from the bustle of everyday life, he has tried in studies to fathom the sacredness of virgin nature, and there he has dreamed his pictures. And what nature has there inspired him – at the sight of the dewy pastures in the morning sun, and silent forest, the lonely lake overshadowed by rocks- he has expressed; and by the introduction of the human element has given life to hid landscapes. Elf children and the listening Dryad, the maiden frozen in the morning frost, back to the first tragedy of man (Die Verfluchten)- he goes, or leads us, into a golden future (Dem freien Menschentum). I have here endeavoured with a few words to sketch the nature of this artist’s work. He is of those who are not guided by the taste of the general public in art matters. He goes the way his genius leads him. His art is decorative in the best sense. Probably his individuality would manifest itself best if a decorative task of much importance were entrusted to him.

E.D.  

 

Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst, Band 17, 1908, S.477

 

Kunstverein Karlsruhe

 

Eine recht schwache, äußerliche und oberflächlich virtuosenhafte Leistung ist die große Figuren-Kollektion des Berliners Schad-Rossa, die nur für den Großstadtkitzel ausschließlich berechnet ist.

 

Der Kunstwart, Rundschau über alle Gebiete des Schönen. Hrsg. v. Ferdinand Avenarius. Jg. 24, 2. Augustheft 1911, Heft 22

 

Das Alpenseebild von P. Schad-Rossa, der jetzt in Künstlerkreisen viel Interesse erregt, zeigt den eigentümlichen technischen Versuch, die Luft- und Fernwirkung durch feine Strichelung zu erzielen. Um sie beurteilen zu können, muss man das Bild natürlich in größerer Entfernung ausstellen, so dass man der hellen Striche als solcher nicht mehr gewahr wird. All diese Versuche mit Striche und Linien vom Pointillarismus bis zu Segantini haben ja ein und dieselbe 

Grundlage: Eine farbige Fläche wirkt anders, wenn die Farbelemente sich erst im Auge mischen, als wenn sie schon auf dem Bilde selbst gemischt sind, anders, und zwar: gemäßer der Wirklichkeit, frischer, und nicht als "Sauce", sondern wirklich als lebendiger Lichteindruck. Das werden unsre Leser auch vor Schad-Rossas Bilde vom Hechtsee empfinden, sobald sie sich's in den nötigen Abstand gerückt haben.

 

Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst, Band 23, 1911, S.358

 

Aus den Berliner Kunstsalons

 

Eine Kollektivausstellung von Werken des Malers Paul Schad-Rossa, die Keller & Reiner veranstaltete, vermittelte die Bekanntschaft mit einem begabten, aber von einem scharfen persönlichen Ausdruck noch weitentfernten Künstler, der vielleicht in einem oder dem anderen Bildnis (ich nenne das des Ehepaars Busoni) noch am meisten zu geben vermag.

 

Der Cicerone. Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers und Sammlers. 3. Jg., Heft 6, März 1911, S.230

 

Bei Keller & Reiner gibt es eine Gesamtausstellung von Werken des Malers Paul Schad-Rossa in Berlin, die neben ein paar etwas luftlosen aber in der Bewegung der Menschenscharen ganz erfreulichen Strandbildern von Wannsee, eine Menge ungeklärt wirkender Landschaften, Städtebilder, Akte usw. vereinigt. Unter den Porträts beansprucht ein launiges Doppelporträt des Musikers Busoni und seiner Gattin Interesse. 

 

Die Christliche Kunst: Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft, 7. Jg., 1910/1911



Berliner Kunstbrief

 

von Dr. Hans Schmidkunz

 

[...] Bei Keller & Reiner zeigte eine Gemälde-Ausstellung des Berliners Schad-Rossa sonnige Akte im Wald und sehr flott bewegte Gestalten [...]



Hartmut Pogge – v. Strandmann (Hrsg.), Walther Rathenau, Tagebuch 1907-1922, Düsseldorf 1967, S.134

 

[1911], 20. März, Montag. Baron Gevers übermittelt den Dank der Königin. Abschlußgesellschaft für Elektrische Unternehmungen. Nachmittags Besuch Bodenhausens, dann Sitzung mit Salomonsohn und Waller bei AEG wegen Peter. Akzeptieren mein Programm. Abends 8 Uhr bei Kessler im Klub. Dann bei Varnbühler, Gräfin Matuschkas Geburtstag. Um 2 Uhr beginnt Frau von Varnbühler zu tanzen vor [Harry Graf] Kessler, Schad-Rossa und mir. Dubiose Situation. Ende 3 ½. Gleichzeitig öffentliche Versammlung des Vereins zur Erhaltung des Judentums. Referat Rabbiner Fink über Artikel im "Tag". Geitner vertritt mich.   

 

Kunstverein Hannover e.V.

Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1911 – 1912

(Bericht über die Wirksamkeit und Verwaltung des Kunstvereins Hannover e.V.

vom 1. Oktober 1911 bis 1. Oktober 1912)

 

S.146

Anlage III.

 

Nachweisung über die vom Vorstande aus der Ausstellungen des Jahres 1911/12

gewählten Kunstwerke und über die am 10. November 1912 stattgehabte Verlosung.

 

Nr. des Katalogs der Ausstellung 557

„Am Petersdorf-See i.M.“, von P. Schad-Rossa, fiel auf den Mitgliedschein Nr. 6190 des Herrn Engelbert Schönfeld in Herford.



Emil Ertl, Peter Rosegger, Wie ich ihn kaum kannte und liebte. Leipzig 1912, S.113

 

Einige Jahre später gab der fortschrittliche "Grazer Künstlerbund" unter Führung Paul Schad-

Rossas, eines (wenigstens im Handwerklichen) starken Könners, ein stattliches und kostbar gedrucktes Heft "Grazer Kunst" heraus, das die inzwischen halb und halb besänftigten Wogen neuerdings aufpeitschte. Auch Literatur und Musik (unter der Redaktion Hermann Ubells und Wilhelm Kienzls) beteiligten sich an dem Unternehmen, das ungeachtet manchen tüchtigen Blattes – besonders den Steindruck beherrschte diese Gruppe mit geistreicher Technik – leider gänzlich erfolglos blieb und die einigermaßen ideologischen Herausgeber in unheilvolle Schulden stürzte. Die Leute glaubten sich durch diese Publikation, die in unseren Tagen – von einigen Wildheiten abgesehen – einen im ganzen fast gemäßigten Eindruck macht, förmlich mit Absicht vor den Kopf gestoßen, und Künstlerneid tat das Seinige, den Scheiterhaufen der allgemeinen Erbitterung zu schüren. Schier erheiternd würde auf mich, wenn ich dabei nicht an den armen, längst zu Tode gehetzten Schad-Rossa denken müsste, die Tatsache wirken, dass die restlichen Bestände dieser von ehrlichem Wollen getragenen, aber nicht vom Glück begünstigten Veröffentlichung heute wieder in den Handel gebracht sind und (bezeichnend für unsere Buchnot!) zu hohen Preisen reißend abgehen.


Die Kunst für Alle..., Band 27, 1912, S. 514

 

Die Grosse Kunstausstellung Dresden 1912

 

[...]

Sehr bemerkenswert die farbig kräftigen, temperamentvoll gemalten spanischen Volksszenen von Paul Schad-Rossa.

 

Kunstverein Hannover e.V.

Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1912 – 1913

(Bericht über die Wirksamkeit und Verwaltung des Kunstvereins Hannover e.V.

vom 1. Oktober 1912 bis 1. Oktober 1913)

 

S.143

Anlage III.

 

Nachweisung über die vom Vorstande aus der Ausstellungen des Jahres 1912/13

gewählten Kunstwerke und über die am 19. November 1913 stattgehabte Verlosung.

 

S.145

Gewinn-Nummer 27

"Schuhplattler“, von Paul Schad-Rossa, fiel auf den Mitgliedschein Nr. 91 des Herrn Regierungsrat Baron v. Voß, Erben, Kl. Boschpol in Pommern (Stolp-Danziger-Bahn).



 

Cicerone 5, 1913, S.214

  

Bei Keller & Reiner hat der Berliner Maler Paul Schad-Rossa zwei Kollektionen ausgestellt, Bilder aus Spanien von 1911 und Bauerntänze aus den bayerischen Bergen von 1912. Ich finde, um es gleich zu sagen, die Produktion des vorigen Jahres reifer und einheitlicher. Namentlich die Bilder der Fischweiber von Lissabon haben einen großen monumentalen Zug in der Einfachheit der Formung und Rhythmik des langsamen Schreitens. Auch die Landschaften mit den großen Formen und den sehr leuchtenden, weichen, hellen Farben haben vorzügliche Qualitäten. All diese Eigenschaften finden sich wieder in den beiden Landschaften aus Bayern, aber die Tanzbilder leiden an einem Mangel an einheitlicher Bewegung. Es bleibt bei der Stellung, und daran kann auch die noch weicher und heller gewordene Farbigkeit nichts ändern. 

 

 

Kunstverein Hannover e.V.

Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1913 – 1914

(Bericht über die Wirksamkeit und Verwaltung des Kunstvereins Hannover e.V.

vom 1. Oktober 1913 bis 1. Oktober 1914)

 

S.146

Anlage III.

 

Nachweisung über die vom Vorstande aus der Ausstellungen des Jahres 1913/14

gewählten Kunstwerke und über die am 15. November 1914 stattgehabte Verlosung.

 

S.149

Gewinn-Nummer 38

„Bauer in Toledo“, von P. Schad-Rossa, fiel auf den Mitgliedschein Nr. 328 des Herrn Kaufmann Wilh. Biermann in Hannover.



Westermanns Monatshefte, Band 116 (1), Jg. 58, April 1914, Heft 8, S.236

 

Eine Veranstaltung, die sich selbst „Die Kunst der mittleren Linie“ nennt, wie die um die Jahreswende im immer noch herrenlosen Berliner Sezessionshaus inszenierte, wird daher immer Skepsis wecken. Wirklich war es mehr die Kunst der „mittleren Qualität“, die sich hier breitmachte. Man könnte sich gewiss schon eine Zusammenstellung solcher Werke denken, die ohne Experimentierlust leidlich dem Grundsatz der soliden Arbeit folgen. Doch die Gefahr liegt nahe, dass sich zuviel Mittelmäßiges und Gleichgültiges einschmuggelt, und also geschah es auch hier. Verstreute tüchtige Dinge – wir bringen als Proben das lebendige Schauspielerporträt von Emil W. Herz und das feine Stadtbild von Schad-Rossa – versanken in dieser Flut der Unbedeutendheiten.

 

Max Osborn

 

Die Christliche Kunst: Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft, 10. Jg., 1913/1914, Beilage S.33



Januar-Ausstellung in Berlin

 

von Dr. Hans Schmidkunz

 

(Im übrigen fehlen diesmal Farbexperimente so gut wie ganz; doch die kräftigen farbigen Konturen in den Mädchenszenen und dgl. des P.Schad-Rossa machen einen glaubhaften Eindruck).



Deutsche Kunst und Dekoration: Wohnungskunst, Malerei, Plastik, Architektur, Gärten, künstlerische Frauen-Arbeiten, Band 33, 1913-14, S. 262



Leipzig. Als erfreulicher Auftakt zu den Veranstaltungen dieses Winters brachte der Kunstverein im September und Oktober drei Kollektionen sehr verschieden gearteter Künstler. [...] Der in Berlin lebende Schad-Rossa ist ungleichwertig in seiner Produktion. Man sieht sehr vereinfachte und in gutem Sinne dekorative, fogürliche und landschaftliche Motive aus Spanien und Portugal

 

Westermanns Monatshefte. Band 116 (2), Jg.58, August 1914, Heft 12, S.817

 

Die bildenden Künste

 

[...] Wie die Veranstaltungen der Sezession, so haben auch die der Großen Berliner Kunstausstellung ihr Antlitz mehr und mehr verändert […]

 

Paul Schad-Rossa, der gleichfalls einen Saal zur Verfügung hat, steht so weit links, dass er sogar auf der freien Ausstellung, die im vergangenen Winter im Sezessionshause stattfand – in diesen Heften ward damals ein Bild von ihm wiedergegeben - , gute Figur machte. In der größeren Kollektion, die man jetzt von ihm sieht, zeigt er sich vielleicht ungleich und von den verschiedensten Vorbildern hin und her gerissen, aber doch stets von echter Malerfreude beseelt und erfüllt von gegenwärtigem Geiste. 

 

Max Osborn

 

Kunst und Kunsthandwerk: Monatsschrift hrsg. vom Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, Jg. 17, 1914, S.57

 

Zur Großen Berliner Kunstausstellung 1914

 

Spanische Frühlingserinnerung wecken die Szenen und Landschaften von Schad- Rossa, doch mehr durch Stoff und Etikette, durch Corrida-Motive und durch die Martinsbrücke, die über felsigtes Flußbett zu der aus gelbrötlichem Gestein aufwachsenden Gottesstadt allegorisch verheißungsvoll hinüberleitet – als durch inbrünstige Einfühlung und packende Ausdruckskraft.

 

F.P.

 

Deutsche Kunst und Dekoration. Wohnungskunst, Malerei, Plastik, Architektur, Gärten, künstlerische Frauen-Arbeiten, Bd. 34, 1914, S. 396-400

 

Die grosse Berliner Kunst-Ausstellung

Von Dr. Konrad Vollert-Berlin.

 

[...]

Sieben Maler hat man durch umfassende Sonder-Ausstellungen ausgezeichnet: die

Berliner Kappstein, Douzette und Schad-Rossa, den Königsberger Carl Albrecht, den

Breslauer Friedrich Pautsch, den Aachener A.v. Brandis und den Düsseldorfer Max Clarenbach. Ob ein irgendwie zwingendes Interesse vorlag, gerade diese Künstler in

derart ausgedehnten Kollektionenvorzuführen, will ich nicht untersuchen – jedenfalls wirkt es ungemein beruhigend, sich nach der Wirrnis der Erscheinungen unter den Eindruck von Persönlichkeiten flüchten zu können, wie sie sich hier entfalten. Von der stillen abseitigen Kunst Kappsteins und Douzettes, die in vergangenen Tagen wurzelt, bis zu den ringenden Versuchen Schad-Rossas und Pautschs ist ein weiter Weg, und so kommt hier die historisch vergleichende Betrachtungsweise zu behaglichem Genuß.

[...]



 



Die Christliche Kunst: Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft, 11. Jg., 1914/1915, S.81



Große Berliner Kunstaustellung von 1914

 

von Dr. Hans Schmidkunz

 

[...] Dann sind sechs Säle für Einer-Ausstellungen verwendet, auf die wohl viel Hoffnung gesetzt war. Doch weder die wertvollen Stilleben und dgl. von dem im Vorjahr zu München mit der großen Goldenen bedachten C. Albrecht [...] noch die mehrfachen farben- und lichtfreudigen Land-, Strand- und Figurenbilder von P. Schad-Rossa ("Straße in Neapel", "Drei Schwestern") geben die Aussicht auf etwas wie ein historisches Ereignis.



Kunstverein Hannover

Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1914 – 1915

(Bericht über die Wirksamkeit und Verwaltung des Kunstvereins Hannover e.V.

vom 1. Oktober 1914 bis 1. Oktober 1915)

 

S.118

Anlage III.

Nachweisung über die vom Vorstande aus der Ausstellung des Jahres 1915

Gewählten Kunstwerke und über die am 14. November 1915 stattgehabte Verlosung

 

S.121, Gewinn-Nummer 19

„Bayrischer Tanzboden“ von Paul Schad-Rossa, fiel auf den Mitgliedschein Nr. 2264 der Frau Sanitätsrat Dr. med. Grahlmann in Esens (Ostfriesland)



Die Kunst für Alle..., Band 29, 1914, S.546 

 

Die Große Berliner Kunstausstellung

 

[...] Eine Kollektivausstellung von Paul Schad-Rossa mit heiteren Impressionen aus Spanien, Italien und vom Wannsee leitet dann schon ins Genrehafte hinüber, das ebenfalls hie und da tüchtige Leistungen gezeitigt hat. [...]

 

Ernst Kühnel 

 

Kunst und Künstler: Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe, 12.1914, S.606 

 

Berlin, die Große Kunstausstellung 1914

 

Schad-Rossa schließt sich an, der mächtig als "Talent" sich fühlt und Lichtmalerisches in Masse leistet, mehr kraftmeierisch, als mit der entsagenden, pünktlichen Ehrlichkeit; in den weiblichen Akten eine verkappte Akademie. 

 

Kunstverein Hannover e.V.

Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1915 – 1916

(Bericht über die Wirksamkeit und Verwaltung des Kunstvereins Hannover e.V.

vom 1. Oktober 1915 bis 1. Oktober 1916)

 

S.107

Anlage II.

Verzeichnis der Ankäufe von Kunstwerken aus der Frühjahrs-Ausstellung vom Jahre 1916

 

Nr. des Katalogs der Ausstellung 326

Durch Herrn Fr. Bachmann in Hannover:

„Zwei Menschen“, von Paul Schad-Rossa, für 400 M

 

S.114

Anlage III.

 

Nachweisung über die vom Vorstande aus der Ausstellung des Jahres 1916

Gewählten Kunstwerke und über die am 19. November stattgehabte Verlosung

 

S.116

Gewinn-Nummer 11

"Herbstbäume vor dem See“, von Paul Schad-Rossa, fiel auf den Mitgliedschein Nr. 982 des Herrn Regimentsschneider Lüders in Lüneburg.



Die Kunst für Alle..., Band 33, 1918, S. 180

 

Große Berliner Kunstausstellung

 

Dagegen versuchte der jung verstorbene Schad-Rossa in seinen „Weiblichen Akten" und noch mehr in dem „Tanzboden", den Rhythmus der bewegten Gestalt durch Farbe und Linienschwung herauszuholen. 

 

Josef Strzygowski, Die Krisis der Geisteswissenschaften, vorgeführt am Beispiele der Forschung über Bildende Kunst. Ein grundsätzlicher Rahmenversuch. Wien 1923, S.324

 

1. GRAZ 1903.

 

Schon im Jahre 1902 wurde in der Münchner Allgemeinen Zeitung Nr. 55 vom 9. März begründet, warum ich damals in der Grazer Fakultät einen Künstler an meine Seite wünschte. Es handelte sich darum, Versuche im Gebiete der Wesensforschung anzustellen. Das Ministerium fand nichts gegen den Vorschlag einzuwenden, bewilligte nur kein Geld. Damit war die Sache natürlich erledigt. Ich muß bemerken, daß ein tüchtiger Künstler mit Lehrbegabung (Schad-Rossa, der dann Graz verließ) am Orte zur Verfügung stand. Dieser Ansatz zur Begründung einer zielbewußten Facharbeit auf dem Gebiete der Wesensforschung war also an Verständnislosigkeit in Wien gescheitert. Bald sollte sich eine Gelegenheit bieten, nach einer andern Richtung hin vorzugehen.

 

 

 

Die Graphischen Künste, 1923, S. 104-105

 

Igo Pötsch

 

Da geschah es, daß, veranlasst durch Wilhelm Gurlitt, dem Ordinarius für Klassische Archäologie an der Universität, sich ein junger deutscher Künstler, der erfüllt war von der Mission der Malerei, in Graz niederließ: Paul Schad-Rossa. Eine ungeahnte Welt tat sich da unserem Kunstjünger auf. Schad-Rossa, der im Gebäude der alten Universität sein Atelier auftat, wurde bald der Mittelpunkt aller "revolutionären" Kunstbestrebungen in Graz. Den Jungen der Bringer neuer künstlerischer Offenbarungen, der das schon allzu lange ängstlich verschlossene Tor ins Neuland künstlerischen Schaffens weit aufriss, um junges Leben hereinströmen zu lassen, erschien er den Alten als die Verkörperung strafbarster Verirrung. Heute, nachdem wir die ganze künstlerische Bewegung der damaligen Tage als abgeschlossenes Geschehen betrachten und bewerten können, ist es kaum mehr verständlich, welche wilde Empörung die farbenfrohe Kunst Schad-Rossas gerade in jenen Kreisen erweckte, die berufen schienen, die künstlerische Entwicklung tonangebend zu beeinflussen. Ein Fall beleuchtet besser als lange Schilderungen die erregte Stimmung: Pötsch erzählt, daß ihm ein ihm bindend zugesagtes Stipendium, das vom Lande vergeben wurde, nicht bekommen konnte, weil in den tonangebenden Kreisen ruchbar geworden war, dass er im Atelier Schad-Rossas arbeite. Der Unterricht bei Schad war außerordentlich streng. Vier Tage der Woche mussten die Schüler Akte zeichnen, und zwar in großem Format. Weiches, leicht ansprechendes Zeichenmaterial, wie Kohle oder Kreide, war jedoch verpönt. Der Bleistift, dessen subtiler Strich kein Hinweggleiten über schlecht beobachtete Partien zuließ, war einzig erlaubt. Erst die letzten Tage der Woche waren freigegeben für rasch hingeworfene Skizzen nach dem lebenden Modell oder für Kompositionsentwürfe.

 

Anton Reichel

 

Wilhelm Kienzl: Meine Lebenswanderung. Erlebtes und Geschautes. Stuttgart 1926, S. 268

 

Am ergiebigsten lebte sich Roseggers Humor in den durch ein Vierteljahrhundert regelmäßig allwöchentlich in der Grazer "Altdeutschen Weinstube" stattgehabten winterlichen Zusammenkünften seines Freundeskreises aus. Es war ein recht erlesener Kreis, der sich da um den allgeliebten Rosegger versammelte, und es wirkte auf alle Teilnehmer befruchtend, daß in ihm sozusagen sämtliche Fakultäten der Kunst vertreten waren, so daß jede Einseitigkeit von vornherein ausgeschlossen war. Wir verhielten uns recht konservativ, man könnte fast sagen: exklusiv, und Neuankömmlinge hatten einen schweren Stand: Man machte ihnen das Zuunskommen nicht allzu leicht. Um einen behaglichen Ecktisch, über dem sich die Uhr befand, saßen die Schriftsteller Rosegger, Wilhelm Rullmann, Emil Ertl, Ernst Gnad, der Kunstphilosoph Friedrich von Hausegger, der Archäolog Wilhelm Gurlitt, die Maler Alfred Schrötter und Schad-Rossa, der Bildhauer Hans Brandstetter, der Architekt Friedrich Hofmann, der Medailleur Hecht, der Schauspieler Otto Sommerstorff und als einziger Musiker ich. Es herrschte stets eine sublime Heiterkeit, und das Gespräch drehte sich fast nur um Kunst- und allgemeine Kulturfragen.

 

Karl Ginhart, Die Bildende Kunst in Österreich. Vom Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Wien 1943, S.108

 

Leben war also genug vorhanden, es fehlte aber jede überragende, richtungsgebende Persönlichkeit, ja selbst jede aufrüttelnde Beschäftigung mit neuen Bestrebungen oder Zielen. So war es von entscheidender Bedeutung, daß gerade zur Jahrhundertwende in Graz der Defreggerschüler Schad-Rossa auftauchte und mit großer Energie einen extremen Jugenstil vertrat. Als er nach zwei Jahren wieder verschwand, war damit diese Richtung für die Steiermark im wesentlichen abgetan, aber es waren doch alte Vorurteile erschüttert, neue Fragen aufgeworfen.

 

Hans Riehl: Die steiermärkische Malerei 1850 – 1950. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Hrsg. vom Institut für Landeskunde am o. ö. Landesmuseum in Linz durch Dr. Franz Pfeffer. 5. Jg./1951, H. 3/4, S. 318.



Die Neuorientierung scheint sich für Schad-Rossa auszuzahlen. Nach 1900 engagiert ihn in Grazder „Steiermärkische Kunstverein“, der sich zusammen mit dem bekannten Archäologen Wilhelm Gurlittfür alles Neue einsetzt. „Man brachte nicht nur in den Ausstellungen Werke der radikalen ‚Sezessionisten’ … man berief auch den extremen Neuerer Paul Schad-Rossa aus München und unterstützte seine Bestrebungen mit allen Mitteln.“

Diese Bestrebungen äußern sich nicht nur in der Gründung einer neuen Malschule, sondern auch in der Initiierung der Zeitschrift Grazer Kunst. Sie erscheint allerdings nur ein einziges Mal im Jahre 1900. Doch das Exemplar enthält mehrere Erstdrucke von Paul Schad-Rossa: neben der zweifarbigen Umschlagzeichnung eine dreifarbige Lithographie für Buchschmuck (Du Blume im Thau), eine geschabte dreifarbige Lithographie (Weihnacht, Motiv bei Graz) sowie eine vierfarbige Lithographie (Heimat, Motiv aus Steiermark).

Auch der Kunstverein ist kurzlebig und löst sich 1906 wieder auf, womit auch die Malschule ihr Ende findet, weil sich die Bildende Kunst in Graz wieder zurückbesinnt auf „Tradition und Bodenständigkeit“.



Schweizerische Musikzeitung - Revue Musicale Suisse, 106. Jg., Mai/Juni 1966, S. 173

 

Busoni-Ausstellung in Berlin

 

[...] Raritäten der Ausstellung sind der "Versuch einer organischen Klavier-Notenschrift", die verschollenen Biographien von Siegfried Nadel und Debusmann sowie ein Doppelporträt Busonis und seiner Frau Gerda von Schad-Rott [sic!], Leihgabe aus der Sammlung Dietrich Fischer-Dieskaus. [...]